Schlagwort: Kammweg

Vortour am Hohen Schneeberg in der Böhmischen Schweiz

Der Winter hat sich zurückgezogen und Spuren hinterlassen. Bei der gestrigen, grenzüberschreitenden Vortour von Rosenthal zum Děčínský Sněžník (deutsch: Hoher Schneeberg, auch Tetschner Schneeberg) waren sie nicht zu übersehen. Der Berg ist zwar „nur“ 723 Meter hoch, trägt seinen Namen aber zu Recht. Wenn es in der Gegend irgendwo schneit und kalt bleibt, dann dort oben. Man könnte den Berg zumindest im Winter auch als Wetterscheide bezeichnen. Auf der westlichen (sächsischen) Seite dominiert meist das milde, wechselhafte Wetter mit atlantischen Einflüssen. Auf der östlichen (tschechischen) Seite beherrscht oftmals die eingeflossene Kaltluft kontinentalen Ursprungs das Wettergeschehen. Der Gebirgskranz um das böhmische Binnenland verhindert das Aufsteigen eingeflossener Kaltluft und hält sie in Bodennähe – oder eben im Bereich des Hohen Schneebergs – fest. So war die Lage auch gestern. Welche Folgen das hatte, ist auf den beiden Fotos zu sehen: abgebrochene Baumkronen und Äste, umgestürzte Bäume auf Wegen und Pfaden.

Diese Konstellation aus Ursache und Wirkung sollte man auf keinen Fall unterschätzen und sich nicht vom stahlblauen Himmel täuschen lassen. Natur ist immer mit Risiken verbunden, auch auf scheinbar harmlosen Wegen im Mittelgebirge. Deshalb hat es sich als sinnvoll erwiesen, sich bei Vortouren vor Ort ein Bild von der Lage zu machen. Wer das nicht kann oder will, sollte sich einer geführten Tour mit einem zertifizierten und haftpflichtversicherten Guide anschließen.

Erinnerung an eine Kammtour zum Sonnwendstein am Semmering

Nach der gelungenen Auftakttour auf den Kreuzberg und zur Speckbacherhütte folgte am Tag 2 eine „echte“ Kammtour von Semmering, Passhöhe zum Sonnwendstein und zur Pollereshütte. „Echt“ deshalb, weil der obere Weg vom Hirschenkogel zum Sonnwendstein tatsächlich als Kammweg markiert ist. Die Seilbahn- Auffahrt von der Passhöhe zum Hirschenkogel ließen wir aus. Wir waren schließlich zum Wandern da. Nach ca. 1,5 Stunden schweißtreibenden Aufstiegs erreichten wir den Hirschenkogel. Das ist der Berg, an dem im Winter Ski-Weltcuprennen in der Abfahrt und anderen alpinen Disziplinen stattfinden. Im Sommer tummeln sich dort vor allem Biker auf steilen Abfahrtspisten und Abenteuerlustige im Hochseilgarten.

Der gut erkennbare Kammweg vom Hirschenkogel zum Sonnwendstein führt durch den Wald und über Bergwiesen. Zahlreiche wilde Orchideen säumten unseren Weg.

An der Pollereshütte angekommen mussten wir zur Kenntnis nehmen, dass sie Ruhetag hat. Auf einer Werbetafel weiter unten las sich das ganz anders. Aber egal, der Wirt hatte vorgesorgt: Etwas abseits entdeckten wir eine Kühltruhe mit kalten Getränken und einer Kasse des Vertrauens. Der Mann hat mitgedacht.

Die Kühltruhe war nicht die einzige Besonderheit am Fuße des weithin sichtbaren Sonnwendsteins. Einige Meter abseits der Pollereshütte entdeckten wir eine Gedenktafel für die im April und Mai 1945 Gefallenen und Vermissten der 9. (deutschen) Gebirgsdivision. Sie hatten erfolglos versucht, die vorrückenden sowjetischen Truppen am Semmering aufzuhalten. Eine solche Gedenktafel ist in Deutschland wohl (noch) undenkbar. In Österreich nicht.

Für den Abstieg wählten wir die gemütliche Forststraße zurück zur Passhöhe, wo wir uns mit einer großen Portion Eis belohnten. Der kleine, aber feine Kammweg hat uns gut gefallen. Man kann ihn genießen.

(Fortsetzung folgt!)