Alle Artikel von Ralf Schmädicke

Erinnerung an eine Wanderung von Ceska Lipa/Böhmisch Leipa zum Schloß Zahradky und durch den Höllengrund/Peklo

Das Wetter für die erste Hälfte der Osterwoche versprach sonnig und trocken zu werden – also ideal für längere Touren. Zum Auftakt der Wanderwoche entschieden wir uns für eine Rundwanderung mit Start und Ziel in Ceska Lipa/Böhmisch Leipa. Das hatte den Vorteil, dass wir von der Hoteltür aus loswandern konnten, ohne lang und breit Fahrpläne zu wälzen. Die Runde über ca. 23 km führte zuerst durch Wohngebiete am südlichen Stadtrand Ceska Lipas und schließlich hinaus auf eine weitläufige Wiesen- und Offenlandschaft parallel zur Bahnstrecke in Richtung Thammühl/Stare Splavy und Hirschberg/Doksy mit Fernsicht auf das umliegende Berg- und Hügelland. In Srni passierten wir einen großen Tagebau, in dem Sand abgebaut wird. Unglaublich, welche Mengen dort lagern und wie tief die Bagger bereits vorgedrungen sind!

Nach dem Industriestandort wurde es wieder ländlicher und natürlicher. Das Gebiet um Zahradky/Neugarten ist bekannt für seine unter Naturschutz stehende Teichlandschaft. Früher wurden in den Hirnser Teichen im großen Stil Fische als Nahrung für die Fastenzeit gezüchtet, heute steht dieses bemerkenswerte Stück Kulturlandschaft weitgehend unter Naturschutz. Natura 2000 heißt die gesetzliche Grundlage, die jedes Mitgliedsland der EU verpflichtet, mindestens 20% des nationalen Terretoriums als Fauna-Flora-Habitat und/oder Vogelschutzgebiet unter Schutz zu stellen. Naturschutz und Landschaftspflege müssen kein Widerspruch sein, wenn beides intelligent gemacht und von der Bevölkerung akzeptiert wird. Darüber dachten wir während einer zünftigen Pause an der alten Hirnser Post nach. (siehe Beitragsfoto)

Vorbei an Schloß Zahradky/Neugarten, dass vor einiger Zeit ausgebrannt als Ruine zu verfallen schien und inzwischen der Karlsuniversität Prag als Standort für Sprachausbildungen dient, gelangt man in den zauberhaften Höllengrund/ Peklo.

Hier hat sich der Robitzscher Bach – Abfluß der Hirnser Teiche – tief in den Sandstein eingegraben und eine einzigartige, wilde Naturlandschaft geschaffen.

Auf ca. 5 km Länge ist der Höllengrund als Naturschutzgebiet geschützt. Die Idylle des Ortes lockt vor allem an Wochenenden zahlreiche Bewohner der umliegenden Ortschaften zu Ausflügen an. Es war allerdings das einzige mal, dass uns während der Wanderwoche Menschen in Gruppenstärke begegneten. Ansonsten ist dieses Gebiet wenig touristisch frequentiert und hervorragend zum Baumelnlassen der Seele und zum Geniessen der Natur geeignet. Das gelang ohne große Mühe und half, uns für die nächsten Tage auf ausgewählte Abschnitte der Nord-Süd-Route der Via Czechia vorzubereiten.

(Fortsetzung folgt!)

Erinnerungen an eine Wanderwoche in der Region Česká Lípa- Machuv kraj und die Nord-Süd-Route der Via Czechia

Nachdem wir im Sommer 2024 einige Abschnitte des 1.058 km langen Nordweges der Via Czechia rund um Harrachov/Harrachsdorf absolviert hatten (siehe: https://kammtouren.eu/2024/08/04/erinnerungen-an-zwei-wanderwochen-im-riesen-und-im-isergebirge-2024-teil-1/ und folgende Beiträge), wuchs der Wunsch nach Fortsetzung des Erlebten. Dieses mal entschieden wir uns für einen Abschnitt der Nord-Süd-Route vom Schluckenauer Zipfel nach Prag. Das Böhmische Nordkap, den nördlichsten Punkt der Tschechischen Republik, hatten wir bei einer Tagestour im August 2024 (siehe: https://natursaxe.de/2024/08/05/auf-schmugglerpfaden-zum-boehmischen-nordkap/ ) bereits kennengelernt und die Route durch den Schluckenauer Zipfel in vielfältiger Form auf früheren Wanderungen.

Deshalb entschieden wir uns für den mittleren Abschnitt durch die Region Česká Lípa (deutsch: Böhmisch Leipa) und die angrenzenden Gebiete der Daubaer Schweiz, des Kummergebirges und der Bürgstein-Schwoikaer Felsenwelt. Als Standquartier wählten wir ein altes, gut geführtes Stadthotel in Česká Lípa. Der Ort ist zentral gelegen und mit öffentlichen Verkehrsmitteln in fast alle Richtungen sehr gut angebunden. Hier sollten in der Osterwoche unsere 6 geplanten Touren beginnen und enden:

(Fortsetzung folgt)

Saisonvorbereitung für Sommer- Kammtouren hat begonnen

Eigentlich ist das ganze Jahr Saison. Im Winter per Schneeschuh, im Sommer per Pedes. Wenn da nicht das Wetter und die Borkenkäfer wären! Der Winter 2024/25 war schneearm. Schneeschuhtouren waren nur an wenigen Tagen im Erzgebirge möglich – vom Iser- und Riesengebirge mal abgesehen. Für Tagestouren ab Dresden sind die beiden einigermaßen schneesicheren Gebirge jedoch zu weit entfernt und Mehrtagestouren standen in diesem Winter nicht im Programm.

Auch Sommertouren sind nicht mehr so weit voraus zu planen, wie in den Jahren vor 2018. Die extreme Trockenheit setzte vor allem Fichten enorm zu und trug zur Massenvermehrung von Borkenkäfern bei. Das hatte massenhaftes Absterben von Fichten zur Folge. In den ersten Jahren stehen die zwar noch einigermaßen stabil und beeinträchtigen lediglich den schönen Landschaftseindruck. Aber irgendwann ist der innere Verfall soweit fortgeschritten, dass die Baumskelette unangekündigt umfallen. Das war und ist besondern häufig in einigen Gebieten der Fall, durch die neue Kammweg Böhmische Schweiz verläuft. Wegsperrungen und Umleitungen sind die Konsequenz.

Das war das Motiv für eine Vortour in der vergangenen Woche durch das Gebiet bei Hřensko (deutsch: Herrnskretschen) in der Böhmischen Schweiz. Laute Hubschraubergeräusche machten schon im Ortskern darauf aufmerksam, dass offenbar Transportarbeiten mit Luftunterstützung stattfanden. Der eingesetzte Hubschrauber sowjetischer Bauart transportierte abgestorbene Baumstämme ab, die ihm von Einsatzkräften am Boden an lange Seile geheftet wurden. Anschließend flog der Heli in einer weiten Kurve aus dem Ort heraus und legte die Hölzer oberhalb auf einer Lichtung ab. Die ungewissen Flugkurven mit hängender Last machten das Begehen des Waldes oberhalb der Ortschaft lebensgefährlich und schränkten die Vortour ein.

Aber immerhin konnten zwei wichtige Erkenntnisse gewonnen werden: 1. Die schwer zugänglichen Schluchten und Klammen der Böhmischen Schweiz werden aus der Luft von Totholz befreit und 2. der tschechische Busfahrplan für Strecken im Gebiet Hřensko ist bereits öffentlich ausgehängt. Das erleichtert die Planung der nächsten Vortour enorm. Die wird nämlich ab Hřensko zur Brücke über die Kamnitzklamm zwischen Edmunds- und Wilder Klamm führen und hoffentlich Erkenntisse bringen, inwieweit der neue Kammweg in diesem Bereich gefahrlos passierbar ist. Andernfalls muss ein Plan B gefunden werden, wie übrigens auch für die Route durch den Paulinengrund. Der ist seit Herbst 2024 wegen stehenden und fallenden Totholzes gesperrt. Zwar ist eine Umleitung ausgewiesen, aber ob es da nichts Besseres gibt, müssen persönliche Eindrücke entscheiden. Es ist also noch einiges zu tun bis zum Start der Sommer- Kammtourensaison!

Deutschlands schönster Wanderweg gesucht!

Auch im Jahr 2025 wird er wieder gesucht: Deutschlands schönster Wanderweg! Das Wandermagazin ruft dazu auf, in den Kategorien „Tagestouren“ und „Mehrtagestouren“ unter 10 nominierten Wegen den jeweils schönsten zu wählen. Vom 1. März bis 30. Juni 2025 können Wanderfans direkt online oder per Wahlkarte abstimmen. Wahlkarten gibt es in den Tourismusbüros der betreffenden Regionen und online geht es gleich hier: https://wandermagazin.de/wahlstudio .

Auf Nummer 9 der Mehrtagestouren stellt sich der Kammweg Erzgebirge-Vogtland zur Wahl. Er führt über 287 km auf überwiegend naturbelassenen Wegen von Geising im Osterzgebirge nach Blankenstein in Thüringen durch urwüchsige Mittelgebirgslandschaften, wie es sie so nur im Erzgebirge gibt. Scheinbar endlose Mischwälder wechseln sich mit blühenden Bergwiesen, Aussichtspunkten mit weiten Blicken über das sächsisch-böhmische Grenzland, rauschenden Bächen, sanften Tälern und idyllischen Bergstädten und -dörfen ab. Unterwegs begegnen wir Stätten, denen das Gebirge seinen Namen verdankt und die unlängst von der UNESCO als Weltkulturerbe geadelt wurden.

Ich habe abgestimmt und sage ausnahmsweise wie: Der Kammweg Erzgebirge-Vogtland ist für mich der schönste Wanderweg Deutschlands für Mehrtagestouren 2025! Und weil er so schön erlebnisreich ist, hat er im Tourenprogramm seinen Platz gefunden! Sobald sich der Frühling auch im Erzgebirge durchsetzt, werden weitere buchbare Kammtouren folgen.

Die erste Anmeldung 2025 ist da!

Das ging ja fix: Am 1. Januar wurden die Touren zur Anmeldung freigegeben und am 7. Januar ging die erste Anmeldung für eine geführte KammTour am 30.08.2025 ein! So kann es gern weitergehen.

Veranstalter dieser Tour ist die Sektion Dresden des Deutschen Alpenvereins und ich werde sie führen. Die konditionell anspruchvolle Tour über ca. 22 km, +730/-700 Hm und eine Gehzeit von ca. 7,5 Stunden führt unter anderem zum Studenec/ Kaltenberg. Sie beginnt in Vysoka Lipa/ Hohenleipa und endet in Ceska Kamenice/ Böhmisch Kamnitz.

Zur Anmeldungen geht es hier entlang: https://www.dav-dresden.de/touren-kurse/touren/touren?view=tour&id=4177 .

Erste KammTouren 2025 sind online!

Sie sollte schon vor Weihnachten abgeschlossen sein, die Planung der KammTouren für 2025. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Die grenzüberschreitende Tourenplanung ist nicht nur wegen des Fahrplanwechsels Anfang April – also mitten im folgenden Jahr – eine planerische Herausforderung, sondern auch wegen der Sperrung der Elbbrücke in Bad Schandau. Niemand kann zur Zeit mit Gewissheit sagen, welche Auswirkungen die Sperrung auf den ÖPNV in der Sommersaison 2025 haben wird. Deshalb sind zunächst nur die 6 KammTouren online, deren Durchführungswahrscheinlichkeit aus heutiger Sicht am höchsten ist:

Alle Touren sind anklickbar. Dann öffnet sich die Ausschreibung. Weitere KammTouren im sächsisch-böhmischen Erzgebirge und in Richtung Jeschken-, Iser- und Riesengebirge folgen, sobald die An- und Abreise mit ÖPNV seriös planbar ist.

Erinnerung an eine Kammtour auf dem altneuen Kammweg von Děčín nach Hřensko am 16.11.2024

Die Wetterprognose für Samstag war günstig: kein Regen und zeitweise sollte sich sogar die Sonne zeigen. Also gute Voraussetzungen für eine Kammtour im November. So empfanden es offenbar auch die 11 Teilnehmerinnen und Teilnehmer von zwei Dresdner Alpenvereinssektionen, den Naturfreunden Dresden und eine Teilnehmerin ohne Vereinsbindung. Sie wollten gern den altneuen böhmischen Kammweg zwischen Děčín (deutsch: Tetschen) und Hřensko (deutsch: Herrnskretschen) kennenlernen und gemeinsam einen schönen Tag erleben.

Beim Treff am Dresdner Hauptbahnhof wurde schnell klar, dass es aufregend werden könnte. Die S-Bahn nach Schöna wurde mit 10 Minuten Verspätung angekündigt. Damit hätten wir die Nationalparkbahn U28 in Bad Schandau verpasst, was den Guide schon über Plan B nachdenken ließ. Zum Glück waren es nur 6 Minuten Verspätung und das tschechische Personal der U28 wartete die Ankunft der S-Bahn aus Dresden ab. Ab Děčín verlief die Tour dann reibungslos wie geplant.

Erste Station war die Kaiser-Franz-Josef- Aussicht auf dem Quaderberg (tschechisch: Kvaderberk), der sich kurz darauf die Elbwarte anschloss. Beides sind sehenswerte Aussichtspunkte, die man nicht auslassen sollte. Der weitere Weg verläuft entlang der Grenze des Nationalen Naturreservats „Elbtalcanon“ (tschechisch: Národní přírodní rezervace Kaňon Labe). In seiner gesamten Länge ist der Weg zudem identisch mit einer Etappe der Nordroute des neuen tschechischen Wanderprojektes „Via Czechia“, jedoch noch nicht als solche markiert.

Bis zum Abzweig nach Bynovec (deutsch: Binsdorf) sind alter und neuer Kammweg identisch. Der alte, nicht mehr als solcher markierte Kammweg, zweigt hier ab und führt durch den Ort weiter in Richtung Grundmühle und Dittersbach (tschechisch: Jetřichovice). Wir folgten jedoch dem neuen, durchgehend mit dem historischen blauen Kammzeichen markierten Weg über den Rosenkamm in Richtung Belvedere.

Die Gaststätte ist leider nur noch für Hausgäste und Gruppen nach Voranmeldung geöffnet. Aber der Imbiss auf der Terasse lädt zu einer kurzen Einkehr mit Glühwein, Grog, diversen anderen Getränken und original böhmischer Schnellkost ein. Solchermaßen gestärkt stiegen wir auf einem ziemlich steinigen Serpentinenweg ab ins Elbtal und nahmen die letzten knapp 5 km bis zum Tagesziel in Angriff. Dank der konditionell ausgeglichenen und gut harmonierenden Gruppe erreichten wir ohne Hast und Hektik die geplante S-Bahn in Schöna, bevor es dunkel wurde. Auf der Rückfahrt nach Dresden wurde die Tour ausgewertet und der Wunsch nach weiteren derartigen Touren geäußert.

Kammtouren.eu – Der Tourenpool wächst!

Nach den Kammtouren im Riesen- und Isergebirge im Juli und August ist vor den Kammtouren im September und Oktober. Schwerpunkte in dieser Zeit werden das Erzgebirge und die Böhmische Schweiz sein. In beiden Regionen stehen einzelne Vortouren zum Check-up der aktuellen Erreichbarkeit mit dem ÖPNV sowie zur gastronomischen Infrastruktur auf dem Plan. Die Aktualisierung der Planungsgrundlagen ist von Zeit zu Zeit erforderlich, da sich erfahrungsgemäß manches gegenüber dem Zeitpunkt der letzten Tour oder der letzten Recherche geändert hat. Die Zeit ist schnelllebig und Änderungen gehören zum Leben.

Buchbar sind bisher Kammtouren, die mit ÖPNV ab Dresden und für Zustiege entlang der Fahrtstrecken zum Startort als Tagestouren geeignet sind. Mehrtagestouren mit Zwischenübernachtungen befinden sich noch in der Planungsphase.