Alle Artikel von Ralf Schmädicke

Kammweg Erzgebirge-Ost wird neu belebt

Eine gute Nachricht vor Beginn der Herbstwandersaison: Der alte Kammweg von 1902/1904 wird auf dem Gebiet des Ústecký kraj (deutsch: Aussiger Region) nun auch im böhmischen Erzgebirge wieder neu belebt. Wie das Touristenmagazin „Kreuz und quer durch Tschechien“ in seiner Ausgabe 2025 mitteilt, wird der Kammweg Erzgebirge Ost über 7 Etappen mit insgesamt 143 km verfügen.

Und das sind die Etappen:

  • Petrovice (deutsch: Peterswald) zum Berg Komáří hůrka (deutsch Mückenberg), ca. 20 km
  • Komáří hůrka nach Nové Město (deutsch: Neustadt), ca. 17 km
  • Nové Město nach Český Jiřetín (deutsch: Georgendorf), ca. 17 km
  • Český Jiřetín nach Lesná (deutsch: Ladung), ca. 29 km
  • Lesná nach Hora Svatého Šebestiána (bis ca. 1948 Bastianperk, deutsch: Sebastiansberg), ca. 20 km
  • Hora Svatého Šebestiána nach Měděnec (deutsch: Kupferberg), ca. 19 km
  • Měděnec nach Boží Dar (deutsch: Gottesgab) und Klínovec (deutsch: Keilberg, früher: Sonnenwirbel), dem höchsten Berg des Erzgebirges, 21 km.

In Boží Dar schließt sich der Abschnitt des Erzgebirgskammweges West in der Region Karlovarský kraj (deutsch: Karlsbader Region) an und führt weiter bis zum Háj u Aše (deutsch: Hainberg bei Asch), mit 758 m höchste Erhebung im böhmischen Teil des Elstergebirges.

Interessant ist die Wiederbelebung des alten böhmischen Kammweges auch, weil parallel dazu auf deutscher Seite des Erzgebirges (tschechisch: Krušnohoří) der Kammweg Erzgebirge-Vogtland verläuft. Daraus ergeben sich zahlreiche Kombinationsmöglichkeiten für grenzüberschreitendes Wandern.

Neue Chancen soll man nutzen. Wir testen den altneuen Kammweg und wenn er gefällt, nehmen wir geführte grenzüberschreitende Kammtouren im sächsisch-böhmischen Erzgebirge ins Tourenprogramm auf.

(Überarbeitet und um die Angabe „nun auch im böhmischen Erzgebirge“ ergänzt – siehe Satz 1).

Hüttenhüpfen auf der Rax – die Zweite und Schluss!

Am vorletzten Tag unserer zwei Tourenwochen sollte es regen- und gewitterfrei bleiben. Also nochmal eine Gelegenheit, die Raxalpe zu überqueren und dem Habsburghaus einen Besuch abzustatten.

Der Bus brachte uns nach Hinternasswald zum Wendeplatz. Etwas spät am Tag, aber es ist der einzige. Bis zum Einstieg in den eigentlichen Kaisersteig mussten wir noch etwa 1,5 Stunden leichtes Gelände hinter uns lassen. Danach wurde es richtig steil. Serpentine an Serpentine durch Waldflanken musste erarbeitet werden und ein Ende war nicht zu erkennen. Am Druchstieg zur Karstfläche ging es seilversichert über schmale Felspartien weiter, bevor nochmals scheinbar endlose bewaldete Serpentinen zu absolvieren waren.

Erst auf den letzten Metern sahen wir zum ersten Mal das Habsburghaus. Es thront majestätisch auf einem Bergsporn und bietet herrliche Aussichten auf große Teile der Rax bis hin zum Karl-Ludwig-Haus und zu den Bergen der Steiermark und Oberösterreichs. Darauf hatten wir uns lange gefreut. Auf die Einkehr im Haus auch. Die ist allerdings kein ganz preiswertes Vergnügen: 6,50 € für ein regionales Kaltgetränk aus der Flasche in Selbstbedienung werden aktuell dort aufgerufen! Nach der kurzen Mittagsrast ging es weiter mit der Überquerung bzw. dem Hüttenhüpfen. Der Weg zum Otto-Schutzhaus war allerdings noch etwas weiter, als wir ihn in Erinnerung hatten. Ca. 3,5 Stunden im ständigen Auf und Ab auf gerölligen Wegen lagen noch vor uns. Es wurde ein Lauf gegen die Uhr. Wir hatten keine Seilbahnabfahrt gebucht, aber auch keine Lust auf den steilen Abstieg über den Törlweg nach Hirschwang. Also laufen, um möglichst zeitig genug vor der letzten Abfahrt an der Raxalm zu sein und auf freie Plätze hoffen. Das hat funktioniert. Nach insgesamt 6 Stunden, 16 km Distanz, 1.280 steigenden und 460 fallenden Höhenmetern standen wir vor der Bergstation der Raxseilbahn. 16:15 Uhr erwischten wir eine Talfahrt und den Bus nach Payerbach 16:25 Uhr schafften wir auch!

An der Unterkunft konnten wir zum Tagesabschluss noch einen wunderbar farbenfreudigen Sonnenuntergang genießen! Spaß haben diese zwei Wochen gemacht! Wir waren sicher nicht zum letzten Mal in dieser Region.

Hüttenhüpfen auf der Rax, die Erste!

Die Raxalpe ist eine stark verkarstete, alpine Hochfläche bis knapp über 2.000 Meter Höhe. Sie befindet sich zu einem großen Teil auf der Fläche des Landes Niederösterreich. Ein anderer Teil gehört zur Steiermark und nordwestlich grenzt Oberösterreich an. Der Auf- und Abstieg ist steil und anspruchsvoll, man kann aber auch die Raxseilbahn benutzen. Örtliche Touristiker vermarkten die Hüttentouren auf der Rax erfolgreich als „Hüttenhüpfen“. Wir sind auf zwei sehr unterschiedlichen Touren „gehüpft“. Die erste Tour war für unsere Verhältnisse kurz, aber wunderschön und mit phantastischem Panorama auf das Payerbach-Reichenauer Tal.

Da das Wetter wechselhaft blieb und für den Nachmittag bereits wieder Regen und Gewitter angekündigt waren, nutzten wir für unsere erste Hüttentour die Seilbahn. Dafür sind Auf- und Abfahrtszeiten zu buchen, die den Tourenumfang begrenzen. So war es leider und wir konnten nur eine Halbtagstour machen. Die war allerdings ein Genusserlebnis: Bergstation Raxseilbahn – Otto-Schutzhaus – Kammweg zum Preiner Kreuz – Neue Seehütte und über den Seeweg und das Otto- Schutzhaus zurück.

Der Kammweg zum Preiner Kreuz führt stellenweise direkt an der Abbruchkante der Rax entlang. Mögliche Fallhöhe: bis zu 1.000 Meter ungebremst. Man sollte also trittsicher und schwindelfrei sein.

Nirgendwo sonst in den Alpen habe ich so viel Edelweiß links und rechts des Weges gesehen, wie auf der Rax. Es war beeindruckend, allerdings offenbar nicht für alle Wanderer. Manche liefen daran vorbei, wie auf der Flucht.

Auch Gastronomisch bietet die Rax sehr Akzeptables. Es beginnt mit dem Restaurant an der Tal- bzw. Bergstation und setzt sich fort mit dem Otto- Schutzhaus.

Dort war einst der Begründer der Psychotherapie, Dr. Siegmund Freud, ein oft und gern gesehener Gast. Man sagt, während seiner Aufenthalte in Reichenau sei er bis zu 3 mal pro Woche zu Fuß über den Törlweg zum Otto-Schutzhaus gewandert und dort eingekehrt. Das ist sportlich. Der Ort war auch für seine praktische Forschung zum Thema „Hysterie“ am Beispiel einer weiblichen Person bedeutsam. Eine Tafel am Haus erinnert daran.

Diese Tour machte Lust auf mehr. Wir beschlossen, an einem regen- und gewitterfreien Tag eine Tour von Hinternaßwald auf dem Kaisersteig zum Habsburghaus mit Überquerung der Rax zu unternehmen. Dazu im nächsten Beitrag mehr.

Erinnerung an eine Kammtour zum Sonnwendstein am Semmering

Nach der gelungenen Auftakttour auf den Kreuzberg und zur Speckbacherhütte folgte am Tag 2 eine „echte“ Kammtour von Semmering, Passhöhe zum Sonnwendstein und zur Pollereshütte. „Echt“ deshalb, weil der obere Weg vom Hirschenkogel zum Sonnwendstein tatsächlich als Kammweg markiert ist. Die Seilbahn- Auffahrt von der Passhöhe zum Hirschenkogel ließen wir aus. Wir waren schließlich zum Wandern da. Nach ca. 1,5 Stunden schweißtreibenden Aufstiegs erreichten wir den Hirschenkogel. Das ist der Berg, an dem im Winter Ski-Weltcuprennen in der Abfahrt und anderen alpinen Disziplinen stattfinden. Im Sommer tummeln sich dort vor allem Biker auf steilen Abfahrtspisten und Abenteuerlustige im Hochseilgarten.

Der gut erkennbare Kammweg vom Hirschenkogel zum Sonnwendstein führt durch den Wald und über Bergwiesen. Zahlreiche wilde Orchideen säumten unseren Weg.

An der Pollereshütte angekommen mussten wir zur Kenntnis nehmen, dass sie Ruhetag hat. Auf einer Werbetafel weiter unten las sich das ganz anders. Aber egal, der Wirt hatte vorgesorgt: Etwas abseits entdeckten wir eine Kühltruhe mit kalten Getränken und einer Kasse des Vertrauens. Der Mann hat mitgedacht.

Die Kühltruhe war nicht die einzige Besonderheit am Fuße des weithin sichtbaren Sonnwendsteins. Einige Meter abseits der Pollereshütte entdeckten wir eine Gedenktafel für die im April und Mai 1945 Gefallenen und Vermissten der 9. (deutschen) Gebirgsdivision. Sie hatten erfolglos versucht, die vorrückenden sowjetischen Truppen am Semmering aufzuhalten. Eine solche Gedenktafel ist in Deutschland wohl (noch) undenkbar. In Österreich nicht.

Für den Abstieg wählten wir die gemütliche Forststraße zurück zur Passhöhe, wo wir uns mit einer großen Portion Eis belohnten. Der kleine, aber feine Kammweg hat uns gut gefallen. Man kann ihn genießen.

(Fortsetzung folgt!)

Natursaxe unterwegs auf der Rax und dem Semmering

Wenn man etwas gern wiederholt, war es meistens gut. So auch unser inzwischen vierter Tourenaufenthalt in Niederösterreich, genauer: in Payerbach- Reichenau, auf der Raxalpe und am Semmering. Zuletzt waren wir 2022 dort und erlebten vor allem Starkregenfälle an der Grenze zur Katastrophe. An Bergtouren auf der Rax war nicht zu denken. Entweder lagen die Wolken auf oder es gab im Tagesverlauf heftige Gewitter.

Ganz so dramatisch sollte es diesmal nicht werden. Die erste drei Tage erinnerten zwar an 2022: schwülheiß mit über 33 Grad im Schatten (wo gab es den?) und Hitzegewitter am Abend. Die Abendgewitter gaben uns aber die Möglichkeit, am frühen Morgen unsere Starttour über den Kreuzberg zur Speckbacherhütte und zum Semmering (dazu später mehr) zu unternehmen.

Der Aufenthalt in der Speckbacherhütte ist ausgesprochen angenehm nach schweißtreibenden 630 Höhenmetern im Anstieg. Nicht nur die Lage, auch die Gastronomie verdient Spitzennoten. Eine Riesenportion Rindssuppe mit Gemüse, Nudeln und Frittaten zum Preis von 6,20 € macht nicht nur satt, sondern man kann auch den Löffel reinstellen, ohne dass er umkippt. 2022 hatten wir dieses Erlebnis schon einmal mit einer Gulaschsuppe. Es war also kein Zufall. Ach ja, und Spaß verstehen sie dort auch.

Am Abend hatten wir neben den Höhenmetern ca. 15 km auf teilweise stark gerölligen, steilen Wegen in den Beinen. Der Auftakt nach zweijähriger Alpenabstinenz war gelungen!

(Fortsetzung folgt!)

Erinnerung an eine Rundwanderung durch die Bürgstein-Schwoikaer Felsenwelt – Tag 6 und Schluss

Die Wetterprognose für Tag 6 unserer Wanderwoche versprach einen Wechsel von Sonne zu Regen mit viel Wind. Also kein Berg-, sondern eher Talwetter. Da lag es nahe, der Bürgstein-Schwoikaer Schweiz einen Besuch abzustatten. Sollte es stark regnen oder gar gewittern, ist man in dem überschaubaren Gebiet mit vielen felsigen Überhängen und Unterschlupfmöglichkeiten schnell in Sicherheit und wieder am Ausgangspunkt zurück. Doch das war nicht das Hauptmotiv. Diese Wald- und Felsenlandschaft mit ihren Einsiedeleien hat einen ganz eigenen Charme. Start und Ziel war am Einsiedlerstein und der Burgruine Sloup/Bürgstein. Es war Wochentag und der Parkplatz nicht bewirtschaftet, also kostenlos nutzbar. Leider hatte auch die Burgruine Ruhetag. Aber es gibt ja noch eine andere Einsiedelei: Samuels Höhle. Sie wurde in den Felsen geschlagen und funktionierte wie eine einfache Wohnung. Interessant, auf welche Ideen einsame Menschen so kommen! Einen Besuch ist Samuels Höhle auf jeden Fall wert.

Zwei weitere Anziehungspunkte in den Sandsteinfelsen zogen uns ebenfalls magisch an: der Waldaltar mit Kreuzweg und das Waldtheater in Schwoika. Beides sind mystische Orte und unbedingt besuchenswert!

Da das Wetter einigermaßen aushielt, beschlossen wir zum Abschluss noch einen Besuch der Glasmacherstadt Novy Bor/Haida. Architektonisch ist der Ort kein Glanzstück böhmischer Baukunst, auch wenn einzelne Gebäude zum Hinsehen einladen: das ehemalige und aktuelle Postamt, die Hauptkirche und das Rathausensemble inklusive Glasmuseum und ehemaligem Schulgebäude.

Man sollte sich etwas Zeit reservieren für diesen Abstecher. Gegenüber dem Rathaus gibt es ein kleines Café mit äußerst leckerem Kuchen und einer supernetten Bedienung! Auf mein freundliches „dobrý den“ (Guten Tag!) hin eröffnete die Mitarbeiterin eine Konversation auf tschechisch, bis sie mein verdutztes Gesicht bemerkte. „Ach, sie sprechen deutsch, ich dachte, sie sind Tscheche!“ sagte sie entschuldigend. So ein freundliches Kompliment hat mir auch noch niemand gemacht. Mein Kneipentschechisch scheint dem Original manchmal ziemlich nahe zu kommen.:-)

Fazit: Eine Woche in der Daubaer und Bürgstein-Schwoikaer Schweiz ist viel zu kurz für diese herrliche Landschaft! Wir haben frühere Erlebnisse aufgefrischt und werden zukünftig öfter dort sein. Vielleicht wird ja auch eine geführte Wanderreise daraus, wer weiss…

(Ende der Fortsetzung und Schluss!)

Erinnerung an eine Rundwanderung ab Holany/Holen ins Grundmühlental und zum Wilhoscht

Die 5. Tour unserer Wanderwoche widmeten wir der Erinnerung an vergangene Wander- und Klettertouren im Grundmühlental und am Vlhošť/Wilschtberg, auch Wilhoscht. Start und Ziel war diesmal der Ort Holany/Holen mit seinen zahlreichen Fischteichen und dem weithin sichtbaren, rotgedeckten Kirchturm. Kostenloses Parken ist in Holany kein Problem. Es gibt genügend Platz. Die Restauration ist allerdings geschrumpft. Am westlichen Ende des markanten Hauptplatzes gab es mal eine. Die ist inzwischen geschlossen. Geöffnet und sichtlich gut frequentiert ist dagegen das Hostinec im Flachbau auf der linken Straßenseite vor dem Abzweig zum Hauptplatz. Gut zu wissen, denn die Schlusseinkehr rundet eine Rundtour perfekt ab.

Der Weg zum Eingang ins Grundmühlental führt am alten Holener Friedhof vorbei. Außen die deutschen, innen die tschechischen Gräber. Böhmische Friedhöfe sind geschichtsträchtig.

Der Weg durch das Grundmühlental ist wie alle Wanderwege in Tschechien vorbildlich und einheitlich markiert. Bis zur Bergsteigerhütte mit angeschlossener Feuerstelle ist er breit und offensichtlich häufig genutzt. Danach wird er schmaler und ab der ehemaligen Grundmühle wird er zum Naturpfad, den man streckenweise suchen muss.

In der Ortschaft Dřevčice/ ehemals Sebitzsch endet das Grundmühlental. Der weitere, gelb markierte Wanderweg führt aus der Ortschaft hinaus und entlang einer neu angelegten Anpflanzung landestypischer Obstbäume. Der Weg ist relativ neu und nicht in allen digitalen Kartenwerken markiert. Man kann sich also dort herrlich verlaufen und eine große Extrarunde drehen.

Der weitere Weg zum kleinen und großen Vlhošť (deutsch Wilschtberg, 614 m) ist dann wieder gut und eindeutig markiert, auch in digitalen Karten. Hier gibt es zahlreiche Varianten und Möglichkeiten für Abstecher, bevor die Schlussetappe nach Holany beginnt. Den Abstecher zur Tschapkeule ließen wir aber diesmal aus. Er hätte uns hin und zurück etwa 1,5 Stunden zusätzlich gekostet. In Gedanken entstand allerdings schon eine weitere Tour, die uns nach Úštěk (deutsch Auscha) führen soll. Bustechnisch ist das kein Problem ab/an Ceska Lipa/ Böhmisch Leipa. Diesmal allerdings schon, denn unser Auto stand in Holany/Holen.

Fazit: Die Daubaer Schweiz und das Gebiet um Holany/Holen ist immer wieder eine Tour wert, auch wenn diesmal die Via Czechia keine Rolle spielte. Mit einem Standquartier in der Umgebung kann man locker 1- 2 Wochen unterwegs sein, ohne einen Weg zweimal zu gehen. Die Landschaft ist romantisch, abwechslungsreich und vor allem: nicht überlaufen!

(Fortsetzung folgt!)

Erinnerung an eine Wanderung von Doksy/Hirschberg zur Burg Bezděz/Bösig

Tag 4 unserer Wanderwoche war reserviert für eine Tour zur alten Königsburg Bezděz/Bösig. Auch diese Auswahl erfolgte nicht ganz ohne nostalgischen Hintergrund. Wir haben den Bösig jedes mal „erstürmt“, wenn wir in der Gegend waren.

Start- und Zielpunkt war wieder der nicht mehr ganz geheime Geheimparkplatz am Stadion von Doksy. Vor vielen Jahren spielte dort Dynamo Doksy, welch ein verbindender Zufall! Heutzutage verzichtet man auf das Dynamo im Namen, in einem anderen drittklassigen Verein noch nicht. Manchmal ist ein ehrlicher Neustart besser, als das langsame Versinken in der sportlichen Bedeutungslosigkeit. Aber manchen Fans scheint es genau so zu gefallen.

Zurück zur Tour: Sie führt inzwischen über zwei Abschnitte der Nord-Süd-Route der Via Czechia. Für den Hinweg zum Bösig nutzten wir den Radweg durch ausgedehnte Kiefernforsten als Orientierung. Jedoch nicht ohne einen Abstecher zum Břehyňský rybník (Heideteich) und zum ehemaligen Waldrestaurant „U lekninu“ – das weit und breit beste Eis, sie wissen schon.

Mit diesem Eis im Bauch ließ sich die folgende monotone Radroute viel besser ertragen. Zu sehen gab es zwischen den Kiefern wenig. Der Weg war weitgehend erlebnisarm. Das änderte sich allerdings schlagartig mit dem Verlassen des Waldgebietes. Plötzlich tauchte die Burg Bösig zum Greifen nah vor uns auf und in der Gegenrichtung eröffnete sich unseren Blicken am Horizont das grandiose Panorama vom Berg Jeschken bei Liberec/Reichenberg bis zu den Gipfeln des Riesengebirges. Allein für diesen Anblick hat sich Tour gelohnt!

Auch den wohl bekanntesten romantischen Dichter Böhmens, Karel Hynek Macha, zog es einst auf den Bösig. Eine in den Basaltfelsen am Wegesrand eingelassene Tafel erinnert an ihn ebenso, wie der heutige Name des einstigen Großteichs: Macha- See.

Die Burganlage auf dem Bösig befindet sich in einem stark renovierungsbedürftigen Zustand. Besichtigt werden kann sie an Wochenenden für einen eher symbolischen Eintrittspreis. An unserem Tourentag blieb sie leider geschlossen. Ein romantischer Aussichts- und Pausenplatz ist sie trotzdem. Schön und geheimnisvoll.

Man sagt, der Teufel habe eine Wette verloren und so entstand nur die Königsburg auf dem großen Bösig. Der kleine Bösig blieb bis zum heutigen Tag unbebaut. Am Rande des Burgaufstiegs erinnert eine symbolische Teufelsfigur an diese Legende.

Für den Rückweg nutzten wir den rot markierten Wanderweg, der inzwischen ebenfalls zur Via Czechia gehört. Deutlich erlebnisreicher und angenehmer ist er zu gehen und führt durch dichten Mischwald, bevor sich eine weite Wiesenlandschaft vor unseren Blicken ausbreitet. Das letzte Stück des Weges führt uns vorbei am alten Friedhof mit zahlreichen deutschen Gräbern und schließlich entlang der Bahntrasse in die Ortsmitte, wo unsere Tour endet.

Fazit: Wir haben diese nostalgische Tour und die Ausblicke sehr genossen! Sie ist für uns ein Klassiker, der uns immer wieder anziehen wird. An warmen Tagen kann man sich zum Schluss mit einem kühlen Getränk am schneeweißen Sandstrand oder einem Bad im Macha- See belohnen.

Erinnerung an eine RundWanderung von und nach Doksy/Hirschberg um den Großteich/Machovo Jezero

Am 3. Tag unserer Wanderwoche entschieden wir uns für einen nostalgischen Klassiker. Die erste gemeinsame Urlaubsreise führte uns vor 45 Jahren mit Moped und Zelt in die damalige CSSR an den Machasee. Doksy, so der klangvolle Name, galt unter Insidern als das Ibiza des Ostens. Unter Ibiza konnten wir uns nichts vorstellen. Es war uns bis Anfang der 1990-er Jahre fremd und unerreichbar. Aber Doksy war nah und attraktiv.

Heute ist dort manches anders geworden. Vieles erkannten wir wieder, wie den Campingplatz „Bily kamen/Weißer Stein“. Dort sollte unsere Tour beginnen. Sie führte uns zunächst durch eine in den Kiefernwald eingebettete Siedlung mit kleinen Wochenendhäusern und hügligen Sandsteinformationen zum ehemaligen Waldrestaurant „U lekninu“. Darin befindet sich jetzt ein kleines Café und man sagt, es gäbe dort das beste Eis weit und breit! Wir haben das überprüft. Stimmt!

Weiter führte unsere Tour vorbei am Durchstich des Břehyňský rybník (deutsch Heideteich) zum Machasee und einer kleinen Kapelle am Wegesrand. Das angrenzende Teichgebiet ist geprägt durch ein unter Naturschutz stehendes Moor. So etwas gibt es also auch an künstlich angelegten Teichen. Von Wassermangel konnten wir dort nichts feststellen.

Auf dem weiteren Weg nach Thammühl/Stare Splavy passierten wir mehrere kleine Feriencamps, die von ihren Betreibern auf die Saison vorbereitet wurden. Trotzdem oder um die Arbeitskräfte bei Laune zu halten hatte in einem der Camps direkt am See eine Restauration geöffnet und lud zu Kaffee, Kuchen und Fassbier ein. Der halbe Liter gutes böhmisches Bier kostete 45 Tschechische Kronen, umgerechnet etwa 1,80 €. Wohlgemerkt: bestes, frisch gezapftes Fassbier! Man kann als Gastronom offenbar auch volkstümliche Preise anbieten, ohne zu verhungern. In Tschechien scheint man diese Kunst zu beherrschen, in Deutschland muss man das noch üben.

Der weitere Weg führte uns durch Stare Splavy/Thammühl, einen Ortsteil von Doksy/Hirschberg. Dort hat sich am Ufer des Machasees einiges baulich geändert. Zwei neue Hotelkomplexe sind in den letzten Jahren entstanden und steigern sicherlich das Gewerbesteueraufkommen. Ob ihrer kubischen Bauweise wirken sie aber eher wie Fremdkörper in der romantischen Landschaft. Wenn man sie doch wenigstens im landestypischen Stil errichtet hätte! Aber den meisten Gästen wird das egal sein. Hauptsache der Preis stimmt, der Weg zum Strand ist kurz und das Bier schmeckt. Der Rest ist Sache für die Nachwelt.

Auf dem letzten Abschnitt zwischen Stare Splavy und Doksy verläuft der Weg parallel zur Bahnlinie. Die Trasse wurde im 19. Jahrhundert bergmännisch in die Sandsteinfelsen hineingeschlagen und die Schienen darin verlegt. Eine ingenieurtechnische und bergbauliche Meisterleistung, von der wir heute noch profitieren!

Doksy selbst befand sich bei unserer Ankunft noch in einer Art Dornröschenschlaf. Viele Baustellen, geschlossene Restaurants und Geschäfte und nur wenige Menschen auf den Straßen. Aber wenn es so geblieben ist wie früher, dann haben wir nur die Ruhe vor dem (touristischen) Sommersturm erlebt. Doksy hat schließlich einen Ruf zu verteidigen!

Fazit: Wir haben diese eher nostalgische Tour sehr genossen. Die etwa 21 km vergingen wie im Flug. So kann es sein, wenn die Erinnerung an gute, alte Zeiten „mitwandert“. Solche Wanderungen tun der Seele gut, immer wieder und gern.

(Fortsetzung folgt!)

Erinnerung an eine Wanderung durch die Mickenhaner Berge und das Kummergebirge

Am Tag 2 unserer Wanderwoche entschieden wir uns für eine Rundwanderung auf Abschnitten der Via Czechia südlich von Česká Lípa/Böhmisch Leipa durch die Mickenhaner Berge und das Kummergebirge. Start und Ziel war der Bahnhof nahe der Ortschaft Provodin/Mickenhan. Auf den geplanten Abstecher zur Schlafenden Jungfrau; ein markantes, einzelstehendes Felsmassiv auf grüner Wiese, mussten wir leider verzichten. Das letzte Stück des markierten Weges bis zum Berg ist für Fußgänger und Radfahrer gesperrt. Also folgten wir zunächst dem gelb markierten Weg durch Mickenhan, bevor wir wenig später auf grün wechselten. Der grün markierte Wanderweg ist zugleich als Radweg ausgewiesen und wird aktiv als solcher genutzt; also Vorsicht! Eine Zeit lang gehen wir entlang eines eingezäunten Areals, das bis zum Abzug der Sowjetarmee Anfang der 1990-er Jahre militärisch genutzt wurde. Heute verwaltet die Tschechische Armee das Areal als Natur- und Landschaftsschutzgebiet.

Unsere ersten beiden Etappenziele sind die Felsformation Skalní brána und die Höhle Jeskyně Psí kostel/Hundskirche – zwei verwitterte Sandsteinformationen abseits der Radroute. Hier lohnt sich mehr als nur eine kurze Fotopause!

Nach ausgiebiger Rast setzen wir die Tour bis zum blau markierten Abzweig nach Hradčany/Kummer fort. Ab hier folgen wir dem nun durchgehend blau markierten Abschnitt der Via Czechia durch abwechslungsreiche Kiefern- und später Buchenwälder in Richtung des Berges Borny und des Machasees. Einen kurzen Abstecher widmen wir der einzigen geöffneten Restauration auf dem nahen Campingareal. Die unfreundliche, mufflige Bedienung erhält von uns kein Trinkgeld und unser Aufenthalt reduziert sich auf ein kurzes Sturzbier.

Um die Rundtour rund zu machen, folgen wir bis Provodin/Mickenhan dem kombinierten Wander- und Radweg. Rechts des Weges befindet sich ein ausgedehntes Wildgatter, das ebenfalls von der Forstverwaltung der Tschechischen Armee, Division Mimon, verwaltet wird. Wohl dem, der dort Förster sein darf! Nach knapp 6 Stunden und ca. 20 km erreichen wir wieder den Bahnhof bei Provodin, der sich auf dem Gelände der Ortschaft Jestřebí/Habichtstein befindet und freuen uns über den gelungenen Wandertag.

Fazit: Eine genuss- und erlebnisreiche Tour auf – vom Radwegteil abgesehen – erstaunlich wenig frequentierten Wegen und Pfaden durch eine urwüchsige Sandstein-, Wald- und Bergwelt mit -zig kleinen und größeren Schluchten zum Entdecken und Geniessen! Das schreit förmlich nach Wiederholung und Fortsetzung!

(Fortsetzung folgt!)