Kategorie: Polen

Wanderwoche im Iser- und Riesengebirge im April 2026, Tag 5

(Fortsetzung des Beitrags vom 14.04.2026 und Schluss)

Für den letzten Tag der Wanderwoche haben wir uns die Tour von Harrachov auf den Hohen Iserkamm zum Hochstein (polnisch: Wysoki Kamień) aufgehoben. Mit seinen 1.058 m über NN bietet der Berg eine vorzügliche Rundumsicht zum Kamm des Riesengebirges, auf Teile des Isergebirges und das Hirschberger Tal. Das Wetter war einladend und die Wege mit geringen Ausnahmen eisfrei und gut begehbar.

Der Lieblingsweg ab Harrachov führte uns wieder auf die Trasse von Orle (Carlsthal) nach Jakuszyce (Jakobsthal). Am Biathlonstadion nahmen wir als Abkürzung eine im Hochwinter für die Biathleten gewalzte Route, die ca. 300 m weiter in den blau markierten Hauptweg mündete. Der „Rest“ bis zum Hohen Iserkamm war ein breiter Weg, den sich Wanderer und Radfahrer teilen. Was besonders auffiel: die Wegmarkierungen auf polnischer Seite sind ebenso wie die auf tschechischer Seite einheitlich gestaltet, sehr informativ und werden offensichtlich gut gepflegt.

Auf dem Hohen Iserkamm wird der Weg bis zum Hochstein schmaler und steiniger. Es war Samstag und uns kamen sehr viele kleine und größere Gruppen und Grüppchen entgegen. Mal grüßte man sich freundlich mit „dobrý den“ auf tschechisch, mal mit „dzień dobry“ auf polnisch und selten mit „Hallo“ (Das waren meist Deutsche.). Alles in allem begegneten sich die Wandernden sehr respektvoll und freundlich.

Auf dem Hochstein angekommen öffneten sich weite Blicke über die Landschaft und man mochte am liebsten gar nicht mehr ins Tal zurück. Dazu trugen auch Verpflegung und Getränke aus der Hochsteinbaude bei. Die Sonne machte träge; photografieren war die einzige aktive Beschäftigung auf dem Hochstein. Der Turm gegenüber der Baude hatte geöffnet, aber wir verzichteten auf eine Besteigung. Die Sicht war auch vom Plateau aus sehr gut.

Der Abstieg zum Bahnhof in Szklarska Poręba Górna (Ober-Schreiberhau) ist auf verschiedenen Wegen möglich. Wir entschieden uns zuerst für den rot markierten und verließen ihn nach ca. 30 Minuten, um auf wilden Waldpfaden querfeldein den Ortsrand zu erreichen. Am Bahnhof erwartete uns ein neu errichteter Imbiss mit preiswerten Getränken, Sitzgelegenheiten und sehr freundlichem Personal. So ließ sich die kurze Wartezeit gut überbrücken, bevor uns die Tschechische Bahn (České dráhy) zurück nach Harrachov brachte.

In Szklarska Poręba Górna bestehen übrigens interessante Umsteigeverbindungen, um mit der Koleje Dolnośląskie (KD) deutsch: Niederschlesische Eisenbahnen) weiter nach Jelenia Gora (Hirschberg) und Wroclaw (Breslau) zu fahren. Ab Wroclaw bestehen Verbindungen nach Krakow (Krakau) und nach Warzawa (Warschau). Die KD befindet sich im Besitz der Wojewodschaft Niederschlesien und arbeitet permanent an einer Vergrößerung des Streckennetzes sowie der Wiederinbetriebnahme ehemals stillgelegter Strecken. Für die Deutsche Bahn und politisch Verantwortliche eine gute Möglichkeit, bei der KD zu hospitieren und zu lernen, wie Eisenbahn im Jahr 2026 geht. Es ist nicht weit nach Niederschlesien.

Fazit: Diese Wanderwoche hat sehr viel Spaß gemacht, Wegekenntnisse aufgefrischt und dazu beigetragen, die regionalen und grenzüberschreitenden Verkehrsverbindungen des ÖPNV aktiv zu testen. Alles zusammen trägt dazu bei, dass Touren im Iser- und Riesengebirge auf der Planungswunschliste weiter nach oben gerückt sind.

Wanderwoche im Iser- und Riesengebirge im April 2026, Tag 3

(Fortsetzung des Beitrages vom 14.04.2026)

Nach der erlebnisreichen Tour am Vortag sollte am 3. Tag eine etwas ruhigere Rundtour folgen. Ruhig wurde sie auch, aber nicht kürzer. Vom Start in Harrachsdorf, Neue Welt ging es zunächst wieder auf dem alten, grenzüberschreitenden Wanderweg in Richtung Orle (Carlsthal). An der Unterstandshütte trennen sich die Wege nach Orle und nach Jakuszyce (Jakobsthal). Diesmal bogen wir in Richtung Jakobsthal ab. Das Streckenprofil ist eher flach, der Untergrund meist asphaltiert und an schattigen Stellen war er vereist. Die Route verläuft im wesentlichen parallel zur Bahnstrecke zwischen Harrachov und Jakobsthal. Im Ort angekommen bestaunten wir das schmucke Biathlonstadion mit angeschlossenem Hotelkomplex, Bahn- und Bushaltestelle und Restaurant. Wir waren die einzigen Gäste und das freundliche Personal langweilte sich sichtbar.

Vom alten Jakobsthal war nicht mehr viel zu erkennen. Die Gebäude, die Krieg und Nachkrieg überstanden hatten, werden inzwischen anders genutzt und dem Geschmack der neuen polnischen Besitzer angepasst. Lediglich das alte preussische Forsthaus ist weitgehend original erhalten geblieben und wird von der polnischen Forstverwaltung nachgenutzt. Hier beginnt der Wanderweg durch das angrenzende Natura-2000-Schutzgebiet zur Nationalparkgrenze und zum Berg Reifträger (Szrenica).

Da es im Ort nicht wirklich viel zu entdecken gibt, traten wir den Rückweg an. Auf digitalen Kartenwerken ist der Weg zwischen der Bahnstation Polana Jakuszycka und den ehemaligen Grenzabfertigungsgebäuden auf polnischer und tschechischer Seite als Wanderweg markiert. In der Realität war keine Markierung erkennbar und wir mussten bis zur Einmündung in den vorbildlich markierten tschechischen Abschnitt am ungesicherten Straßenrand entlang der stark befahrenen Fernverkehrsstraße gehen. Das war weder Genuss noch Erlebnis. Beides folgte jedoch nach Erreichen der Ortsgrenze von Harrachov. Wir hängten noch eine Abstecher zur Mummelfallbaude dran und ließen diese Tour in einem Restaurant sanft ausklingen. Fazit: Kann, aber muss man nicht machen.

(Fortsetzung folgt.)

Wanderwoche im Iser- und Riesengebirge im April 2026, Tag 2

(Fortsetzung des Beitrages vom 14.04.2026)

Bestes Wanderwetter begrüßte uns am Morgen des zweiten Tourentages. Nach der Erfahrung der 1. Tour entschieden wir uns dafür, diesmal ins etwas tiefer gelegene Isergebirge zu gehen. Als Etappenziele nahmen wir uns Orle (Carlsthal), die Karlsbrücke über die Iser – nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Brücke in Prag – und Klein-Iser (Jizerka) vor. Start war in Harrachov (Harrachsdorf) direkt an der tschechisch-polnischen Grenze. Dieser alte Waldweg war nach 1945 lange tabu und wurde erst nach der politischen Wende wieder, was er einmal war.

An der Kreuzung mit Unterstand führt der weitere Weg Richtung Orle (Carlsthal) nach links und hielt in beschatteten Abschnitten einige vereiste Flächen bereit. Orle selbst war in nachösterlichem Winterschlaf versunken und an diesem Tag kein Ort zum Verweilen.

Der roten Markierung und später dem Radweg folgend umgingen wir entlang der Iser bis zur Karlsbrücke den 875 m hohen Berg Granicznik. Die Karlsbrücke verband bis 1945 Deutschland und das inzwischen verschwundene Sudetenland auf dem Gebiet der Tschechoslowakei. Eine Stele auf heute polnischer Seite erinnert zweisprachig an den Friedenswunsch der Menschen.

Auf der tschechischen Seite informieren mehrsprachige Tafeln über die Geschichte der Brücke und das „Dunkelhimmelgebiet“ Isergebirge. In Deutschland, z.B. der Rhön, nennt man solche Gebiete mit geringstmöglicher Lichtverschmutzung „Sternenparks“.

Durch das Tal der Iser aufwärts erreicht man nach ca. 3 km Jizerka (Klein-Iser, auch Große Iserwiese). Die weite, ruhige Hochebene mit einer Streusiedlung lässt erahnen, wie hart hier früher das Leben der Bewohner war. Heute leben die wenigen Einwohner zwar auch noch teilweise von der Berglandwirtschaft, vor allem aber vom Tourismus. Die ehemalige Schule von Klein-Iser beherbergt das sehenswerte Museum des Isergebirges mit interessanten Einblicken in die gemeinsame deutsch-tschechischen Vergangenheit. Das renovierte Herrenhaus (Panský dům) und weitere typisch isergebirgische Häuser bieten Quartiere für Besucher, die es ruhig und abgeschieden mögen.

Der Rückweg führt immer entlang der Iser bis zum Autonomen Gebiet Hoftik (Hoffnungstal). Im Zuge eines Gebietsaustausches einigten sich in den 1950-er Jahren Polen und die Tschechoslowakei darauf, einzelne verstreute niederschlesische Flächen auf tschechoslowakischem Gebiet gegen zusammenhängende Flächen auf dem Gebiet Polens auszutauschen. Daraus entstand ein neuer Grenzverlauf. Ausgerechnet den Flecken Hoffnungsthal hatte man offenbar „vergessen“. Er blieb bis heute im Bewusstsein seiner Bewohner niederschlesisch auf tschechischem Terretorium und bezeichnet sich stolz als autonomes Gebiet.

Von Hoffnungthal (Hoftik) aus geht es abschließend für eine knappe halbe Stunde bergauf zur einstigen – ebenfalls niederschlesischen – Sommerfrische Strickerhäuser (Mytiny) und zum Bahnhof Harrachsdorf (Harrachov), wo bereits der Bus Nr. 942 darauf wartet, uns zum Quartier zu bringen. Wir waren bei dieser Tour sowohl auf dem Kammweg als auch auf der Via Czechia unterwegs.

(Fortsetzung folgt.)

Urlaub vor der Haustür: Eine Wanderwoche im tschechisch-polnischen Iser- und Riesengebirge im April 2026

Nach der langen Saure-Gurken-Zeit von Januar bis Anfang April beschlossen wir, in der Woche nach Ostern im Iser- und Riesengebirge zu wandern. Das Quartier in Harrachov (Harrachsdorf) war schnell gebucht; man kennt sich. Wettermäßig sollte alles im grünen Bereich sein, so die Prognose nach ICON-D2 des DWD. Das stimmte auch weitgehend, nur die Wege waren zum Teil noch sehr winterlich. Doch dazu später mehr.

In 6 Tagen legten wir auf 5 Touren moderate 87,4 km mit insgesamt 2.120 aufsteigenden Höhenmetern zurück. Regen blieb uns erspart, ebenso der angekündigte Schneefall. Die Wegeverhältnisse waren in unteren, besonnten Lagen gut bis sehr gut, nur oberhalb von 1.000 m, an Nordhängen und in schattigen Waldabschnitten lagen noch teilweise bis zu 20 cm starke Eispanzer auf ehemals präparierten Loipen. Das machte vor allem die erste Tour sehr anstrengend und trug dazu bei, dass wir uns bei den folgenden 4 Touren schwerpunktmäßig auf nicht ganz so hohe Wege im Iser- und Westriesengebirge konzentrierten.

Unter dem Beitrag gibt es eine Übersicht über den Tourenverlauf. Die einzelnen Touren werden in den folgenden Beiträgen kurz vorgestellt.

Neue Kammtouren geplant

Die Streckenwanderung auf dem Oberlausitzer Bergweg im Jahr 2025 hat Lust auf mehr gemacht. Deshalb sind in 2026 folgende neue Kammtouren geplant:

  • Über Ostern werden wir eine Woche im tschechischen und polnischen Iser- und Riesengebirge unterwegs sein und neue Routen testen. Selbstverständlich gehören auch Abstecher zum Reifträger und zur Wosseckerbaude dazu. Das Lieblingsquartier in Harrachov ist bereits gebucht.
  • Im Juli testen wir auf einer Streckenwanderung 12 Etappen des Kammweges Erzgebirge-Vogtland. Der Start ist in Geising und das Ziel in Schöneck. Wir werden hauptsächlich auf der sächsischen Seite des Erzgebirges unterwegs sein und jeden Tag in einem anderen Quartier schlafen.
  • Im September ist eine mehrtägige Kammtour im Böhmischen Erzgebirge von einem Standquartier aus geplant.
  • Im Oktober werden wir eine Woche lang vom Standquartier in Krasna Lipa aus Varianten des neuen Kammweges in der Böhmischen Schweiz und im Lausitzer Gebirge unter die Füße nehmen.

Für diese neuen KammTouren entfallen im Gegenzug ursprünglich geplante Touren in der Nationalparkregion Sächsisch-Böhmische Schweiz. Das ist eine Konsequenz aus den ganzjährig andauernden Bauarbeiten der Deutschen Bahn im oberen Elbtal und dem Bau einer Ersatzbrücke in Bad Schandau. Die Arbeiten haben umfangreiche Streckensperrungen und Ersatzverkehr zur Folge. Bisher ist noch kein Saisonfahrplan veröffentlicht und es ist nicht klar, ob erforderliche Umsteigeverbindungen gesichert sein werden. Im Jahr 2025 fielen mehrere Touren infolge verpasster Umstiege zur Nationalparkbahn und zu Bussen in Tschechien aus. Das soll in 2026 vermieden werden.

Wanderwoche auf dem Oberlausitzer Bergweg im Oktober 2025, Tag 7 und Schluss

(Fortsetzung des Beitrages vom 21.10.2025)

Am letzten Tag der Wanderwoche beruhigte sich das Wetter. Die Sonne setzte sich langsam durch und schenkte uns einen goldenen Herbsttag. Ganz so, als wollte sie sich für ihr Fehlen in den letzten Tagen entschuldigen. Wir nahmen uns für den Abschlusstag vor, von der geplanten Route kreativ abzuweichen und soviel wie möglich Panoramaaussichten aufzusuchen. Den Weg durch die Felsengasse zur Töpferbaude mussten wir uns mit den Läuferinnen und Läufern des Oybiner Ultratrails teilen. Beeindruckend, wie leichtfüßig die Meisten in dem anspruchsvollen Gelände unterwegs waren!

Auf der Böhmischen Aussicht konnten wir zum ersten Mal in dieser Woche das Isergebirge erkennen. Die Aussicht war echt grandios. Auch die Landeskrone bei Görlitz und weitere markante Erhebungen waren zu erkennen. So hatten wir uns das für die ganze Woche gewünscht und wenigstens am letzten Tag ging der Wunsch in Erfüllung.

Nach dem Abstieg vom Töpfer – Baude und Imbiss hatten geöffnet – wurde das Streckenprofil deutlich flacher. Unser vorletztes Ziel vor der alten Handelsstadt Zittau war der Dreiländerpunkt.

Hier grenzen seit 1945 Deutschland, Polen und Tschechien aneinander. Auf Grundlage des Potsdamer Vertrages wurden damals die Ostgrenzen Deutschlands nach Westen verschoben und der symbolträchtige Ort blieb bis 1989 weitgehend unzugänglich. Am Tag des Beitritts Tschechiens und Polens zur Europäischen Union und zum Schengen-Raum wurde am Dreiländerpunkt ein trinationales Volksfest gefeiert. Gegenwärtig bemühen sich die Städte Hrádek nad Nisou, Zittau und Bogatynia um den Bau einer Kreisbrücke direkt über der Neisse. Am Dreiländerpunkt endet gleichzeitig auch der zertifizierte Teil des Oberlausitzer Bergweges. Abgerundet wurde unsere Wanderwoche mit einer kleinen Stadtwanderung durch Zittau.

Als Fazit kann festgehalten werden: Der Oberlausitzer Bergweg hat viel Erlebnispotential. Wege und Landschaften sind abwechslungsreich und können durch die Verknüpfung mit anderen vorhandenen Themen- und Ringwegen noch ergänzt werden. Die Menschen in der Region bleiben uns sehr gastfreundlich und hilfsbereit in Erinnerung. Diese Wanderwoche werden wir so schnell nicht vergessen und sicher waren wir auch nicht zum letzten Mal in der Oberlausitz unterwegs.

Erinnerungen an zwei Wanderwochen im Riesen- und im Isergebirge 2024, Tag 14: Abreise & Fazit

Auch die schönste Wanderreise ist irgendwann vorbei. Das muss auch Petrus nahe gegangen sein, denn er ließ am Abreisetag bittere Tränen regnen. 13 Tage Sonnenschein und ein Tag Regen sind trotzdem eine gute Wetterbilanz für eine Wanderreise im Iser- und Riesengebirge. Und weil das Wort Bilanz gerade fiel, hier noch etwas Zahlensalat:

  • Wir sind an 13 von 14 Tagen gewandert.
  • Damit haben wir insgesamt 74:11 Std. verbracht.
  • Zurückgelegt wurden dabei 253 km und 6.390 Höhenmeter.

Fazit: Das Gesamterlebnis war grandios, die Erwartungen wurden weit übertroffen. Insbesondere die grenzüberschreitenden Kammüberquerungen und -touren haben uns fasziniert und verfügen über viel Potential für weitere Wanderreisen. Gern mit Kleingruppen von mindestens 5 bis maximal 15 Personen und in Kooperation mit Wanderreiseveranstaltern – Kontakt siehe Impressum.

Erinnerungen an zwei Wanderwochen im Riesen- und im Isergebirge 2024, Tag 13: Alter Kammweg & Via Czechia

Der letzte Wandertag sollte noch einmal ein bleibendes Erlebnis sein. Das Wetter versprach, prächtig zu werden: viel Sonne, leichter Wind und gute Fernsicht. Diesmal wanderten wir von der ehemaligen Katzensteinbaude in Jakobstal/Jakuszyce durch das Hochmoor zum Reifträger, zur Elbquelle und dann talwärts zu Rübezahls Frühstücksplatz und zum Mummelfall. Start der Tour war auf polnischer Seite an der Bahnstation Polana Jakuczycka/Jakobstal. Am alten Forsthaus bogen wir ab und begaben uns ins vorbildlich ausgeschilderte Natura-2000-Gebiet, das im Hochmoorbereich in den polnischen Riesengebirgs- Nationalpark übergeht. Der Aufstieg bis zur Alten Schlesischen Baude dauert bei Genusstempo etwas weniger als 2 Stunden. Dort ist dann Pause angesagt. Der Blick auf Schreiberhau und den Hohen Iserkamm ist immer wieder ein Erlebnis, erst recht mit einem gut gekühlten Getränk in der Hand. Den weiteren Aufstieg in Richtung Reifträger variierten wir, indem wir den auch diesmal von zahlreichen Wanderern angesteuerten Gipfel umgingen. Menschenmassen gucken war nicht unser Ziel. Dafür begaben wir uns bis zur Ceska Budka auf den historischen Kammweg, heute als Weg der tschechisch-polnischen Freundschaft und neuerdings auch als Teil der Via Czechia gewidmet. Wege zur Freundschaft sind immer gut.

An der symbolischen Elbquelle stellten wir fest, dass sie immer noch trocken lag. Kein Wunder: in den zwei Wanderwochen hatte es nicht einen Tropfen geregnet. Am Abzweig „Zu den Vier Herren“ verließen wir zum vorläufig letzten Mal den Riesengebirgskamm und stiegen den sehr gut angelegten Weg zu Rübezahls Frühstücksplatz ab. Der Rest war Mummeltal vom Feinsten und ein Abschlussessen in Harrachov. Morgen geht es nach Hause.

Fazit: Diese Tour, eine der abwechslungsreichsten und längsten, fasziniert uns am Meisten. Sie bietet alles, was das Riesengebirge so einzigartig macht.

Und noch ein Ausblick auf Tag 14, den Abreisetag: Da wird es ein wenig Zahlensalat geben.

Erinnerungen an zwei Wanderwochen im Riesen- und im Isergebirge 2024, Tag 12: Jakobstal & Hoher Iserkamm

Nach der Tour am Tag 6 hatten wir uns vorgenommen, den Hohen Iserkamm mit dem Hochstein nochmals anzusteuern, jedoch von Harrachov aus und komplett zu Fuß. Auf der Karte sah das schlimmer aus, als es war. Dank der polnisch markierten Abkürzung über die Grenze blieben wir am Ende des Tages sogar unter 20 km bei gerade einmal 440 aufsteigenden Höhenmetern. Der Abkürzungsweg war ziemlich wild, ersparte uns aber einen Teil der Holperpiste bis zum Abzweig nach Orle/Karlstal. Das ließen wir diesmal im wahrsten Sinne des Wortes links liegen und nahmen den gelb markierten Weg nach Jakuszyce/Jakobstal. Vorbei am Biathlonstadion und der Bahnstation Polana Jakuszycka folgten wir dem gemeinsam genutzten Rad- und Wanderweg sanft auf den Hohen Iserkamm.

Auf dem Hochstein gab es auch bei dieser Tour eine phantastische Panoramasicht auf die schlesische Seite des Riesengebirges und das Hirschberger Tal. Die Einkehr in der Hochsteinbaude mit freundlichen polnischen Betreibern ist empfehlenswert. Hausgemachte Suppen und Gebäck sowie gut gekühlte Getränke runden das Bergerlebnis ab. Aber auch auf dem Hochstein gilt: Bezahlung nur in polnischer Währung! Uns fiel erneut auf, dass die polnischen Preise deutlich höher waren, als die auf tschechischen Bauden. Ein polnisches Flaschenbier für 15 Zloty (= ca. 3,60 €) und ein tschechisches für 18 Zloty (= ca. 4,30 €) waren nicht wirklich preiswert zu haben. Ähnlich war das Preisniveau bei nichtalkoholischen Getränken und den selbstgemachten Speisen. Viele Wanderer versorgten sich deshalb aus dem Rucksack und das ist immer die preiswerteste Lösung.

Der Abstieg zum Bahnhof Schreiberhau glich einer mittleren Völkerwanderung. Wer oben zuviel Flüssigkeit „getankt“ hatte, bekam unterwegs ein Problem. Kaum Unterholz und Lücken zwischen den einzelnen Menschengruppen. Irgendwie fand sich schließlich doch eine Lösung, weil alle das gleiche Problem hatten und tolerant in die menschenabgewandte Richtung blickten.

Fazit: Eine angenehme Tour ohne große konditionelle Herausforderungen und mit prima Panorama!

Erinnerungen an zwei Wanderwochen im Riesen- und im Isergebirge 2024, Tag 10: Agnetendorf & Villa Wiesenstein

Nach dem Besuch des Carl-und-Gerhart-Hauptmann-Museums in Szklarska Poręba/Schreiberhau am Tag 6 unserer Wanderreise stand fest, dass wir auch die Villa Wiesenstein in Jagniątków (deutsch Agnetendorf, polnisch seit 1945/46) besichtigen wollen. Das verbanden wir mit einer Wanderung von Szklarska Poręba/Schreiberhau zum letzten Aufenthaltsort des Nobelpreisträgers Gerhart Hauptmann vor seinem Tod.

Die Tour wurde anstrengender als geplant, da einige Wege durch den polnischen Riesengebirgs- Nationalpark seit 01.07.2024 gesperrt waren. Das zwang uns zu einem zeitraubenden Umweg über Michałowice. Zeit, die für die Besichtigung des sehr sehenswerten Museums in der Villa Wiesenstein verloren ging. Als komisch empfanden wir auch, dass besagte Wege offenbar nur bergwärts gesperrt waren. Auf dem Rückweg nach Schreiberhau passierten wir einige davon und konnten talwärts keinerlei Sperrhinweise entdecken.

Im Museum wird in gut aufbereiteter Art und Weise in polnischer und deutscher Sprache an das Privatleben von Gerhart Hauptmann und sein Schicksal nach dem Ende des 2. Weltkrieges erinnert. Das Haus selbst befindet sich in einem sehr gut renovierten Zustand. Besonders beeindruckten uns die farbenfreudige Ausgestaltung im Stil des Naturalismus und die namensgebenden Wiesensteine auf dem Grundstück.

Das polnische Militär begleitete Gerhart Hauptmanns sterbliche Überreste nach seinem Tod samt eines Teils seiner Hinterlassenschaft bis zur neuen deutsch-polnischen Grenze in Forst an der Neisse. Dort übernahm die Sowjetarmee nicht ohne eine gewisse Anteilnahme die Begleitung und den Transport bis nach Hiddensee, wo Hauptmanns Leichnam schließlich zur letzten Ruhe gebettet wurde.

Fazit: Wir haben an diesem Tag ein interessantes und zugleich tragisches Kapitel deutsch-polnischer Kulturgeschichte kennengelernt. Auf dem Rückweg von Agnetendorf nach Schreiberhau tauschten wir unsere Eindrücke und Schlussfolgerungen aus und waren uns einig, dass sich so etwas im Verhältnis zwischen Nachbarn in Europa niemals wiederholen darf.