Schlagwort: Harrachov

Wanderwoche im Iser- und Riesengebirge im April 2026, Tag 5

(Fortsetzung des Beitrags vom 14.04.2026 und Schluss)

Für den letzten Tag der Wanderwoche haben wir uns die Tour von Harrachov auf den Hohen Iserkamm zum Hochstein (polnisch: Wysoki Kamień) aufgehoben. Mit seinen 1.058 m über NN bietet der Berg eine vorzügliche Rundumsicht zum Kamm des Riesengebirges, auf Teile des Isergebirges und das Hirschberger Tal. Das Wetter war einladend und die Wege mit geringen Ausnahmen eisfrei und gut begehbar.

Der Lieblingsweg ab Harrachov führte uns wieder auf die Trasse von Orle (Carlsthal) nach Jakuszyce (Jakobsthal). Am Biathlonstadion nahmen wir als Abkürzung eine im Hochwinter für die Biathleten gewalzte Route, die ca. 300 m weiter in den blau markierten Hauptweg mündete. Der „Rest“ bis zum Hohen Iserkamm war ein breiter Weg, den sich Wanderer und Radfahrer teilen. Was besonders auffiel: die Wegmarkierungen auf polnischer Seite sind ebenso wie die auf tschechischer Seite einheitlich gestaltet, sehr informativ und werden offensichtlich gut gepflegt.

Auf dem Hohen Iserkamm wird der Weg bis zum Hochstein schmaler und steiniger. Es war Samstag und uns kamen sehr viele kleine und größere Gruppen und Grüppchen entgegen. Mal grüßte man sich freundlich mit „dobrý den“ auf tschechisch, mal mit „dzień dobry“ auf polnisch und selten mit „Hallo“ (Das waren meist Deutsche.). Alles in allem begegneten sich die Wandernden sehr respektvoll und freundlich.

Auf dem Hochstein angekommen öffneten sich weite Blicke über die Landschaft und man mochte am liebsten gar nicht mehr ins Tal zurück. Dazu trugen auch Verpflegung und Getränke aus der Hochsteinbaude bei. Die Sonne machte träge; photografieren war die einzige aktive Beschäftigung auf dem Hochstein. Der Turm gegenüber der Baude hatte geöffnet, aber wir verzichteten auf eine Besteigung. Die Sicht war auch vom Plateau aus sehr gut.

Der Abstieg zum Bahnhof in Szklarska Poręba Górna (Ober-Schreiberhau) ist auf verschiedenen Wegen möglich. Wir entschieden uns zuerst für den rot markierten und verließen ihn nach ca. 30 Minuten, um auf wilden Waldpfaden querfeldein den Ortsrand zu erreichen. Am Bahnhof erwartete uns ein neu errichteter Imbiss mit preiswerten Getränken, Sitzgelegenheiten und sehr freundlichem Personal. So ließ sich die kurze Wartezeit gut überbrücken, bevor uns die Tschechische Bahn (České dráhy) zurück nach Harrachov brachte.

In Szklarska Poręba Górna bestehen übrigens interessante Umsteigeverbindungen, um mit der Koleje Dolnośląskie (KD) deutsch: Niederschlesische Eisenbahnen) weiter nach Jelenia Gora (Hirschberg) und Wroclaw (Breslau) zu fahren. Ab Wroclaw bestehen Verbindungen nach Krakow (Krakau) und nach Warzawa (Warschau). Die KD befindet sich im Besitz der Wojewodschaft Niederschlesien und arbeitet permanent an einer Vergrößerung des Streckennetzes sowie der Wiederinbetriebnahme ehemals stillgelegter Strecken. Für die Deutsche Bahn und politisch Verantwortliche eine gute Möglichkeit, bei der KD zu hospitieren und zu lernen, wie Eisenbahn im Jahr 2026 geht. Es ist nicht weit nach Niederschlesien.

Fazit: Diese Wanderwoche hat sehr viel Spaß gemacht, Wegekenntnisse aufgefrischt und dazu beigetragen, die regionalen und grenzüberschreitenden Verkehrsverbindungen des ÖPNV aktiv zu testen. Alles zusammen trägt dazu bei, dass Touren im Iser- und Riesengebirge auf der Planungswunschliste weiter nach oben gerückt sind.

Wanderwoche im Iser- und Riesengebirge im April 2026, Tag 3

(Fortsetzung des Beitrages vom 14.04.2026)

Nach der erlebnisreichen Tour am Vortag sollte am 3. Tag eine etwas ruhigere Rundtour folgen. Ruhig wurde sie auch, aber nicht kürzer. Vom Start in Harrachsdorf, Neue Welt ging es zunächst wieder auf dem alten, grenzüberschreitenden Wanderweg in Richtung Orle (Carlsthal). An der Unterstandshütte trennen sich die Wege nach Orle und nach Jakuszyce (Jakobsthal). Diesmal bogen wir in Richtung Jakobsthal ab. Das Streckenprofil ist eher flach, der Untergrund meist asphaltiert und an schattigen Stellen war er vereist. Die Route verläuft im wesentlichen parallel zur Bahnstrecke zwischen Harrachov und Jakobsthal. Im Ort angekommen bestaunten wir das schmucke Biathlonstadion mit angeschlossenem Hotelkomplex, Bahn- und Bushaltestelle und Restaurant. Wir waren die einzigen Gäste und das freundliche Personal langweilte sich sichtbar.

Vom alten Jakobsthal war nicht mehr viel zu erkennen. Die Gebäude, die Krieg und Nachkrieg überstanden hatten, werden inzwischen anders genutzt und dem Geschmack der neuen polnischen Besitzer angepasst. Lediglich das alte preussische Forsthaus ist weitgehend original erhalten geblieben und wird von der polnischen Forstverwaltung nachgenutzt. Hier beginnt der Wanderweg durch das angrenzende Natura-2000-Schutzgebiet zur Nationalparkgrenze und zum Berg Reifträger (Szrenica).

Da es im Ort nicht wirklich viel zu entdecken gibt, traten wir den Rückweg an. Auf digitalen Kartenwerken ist der Weg zwischen der Bahnstation Polana Jakuszycka und den ehemaligen Grenzabfertigungsgebäuden auf polnischer und tschechischer Seite als Wanderweg markiert. In der Realität war keine Markierung erkennbar und wir mussten bis zur Einmündung in den vorbildlich markierten tschechischen Abschnitt am ungesicherten Straßenrand entlang der stark befahrenen Fernverkehrsstraße gehen. Das war weder Genuss noch Erlebnis. Beides folgte jedoch nach Erreichen der Ortsgrenze von Harrachov. Wir hängten noch eine Abstecher zur Mummelfallbaude dran und ließen diese Tour in einem Restaurant sanft ausklingen. Fazit: Kann, aber muss man nicht machen.

(Fortsetzung folgt.)

Wanderwoche im Iser- und Riesengebirge im April 2026, Tag 2

(Fortsetzung des Beitrages vom 14.04.2026)

Bestes Wanderwetter begrüßte uns am Morgen des zweiten Tourentages. Nach der Erfahrung der 1. Tour entschieden wir uns dafür, diesmal ins etwas tiefer gelegene Isergebirge zu gehen. Als Etappenziele nahmen wir uns Orle (Carlsthal), die Karlsbrücke über die Iser – nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Brücke in Prag – und Klein-Iser (Jizerka) vor. Start war in Harrachov (Harrachsdorf) direkt an der tschechisch-polnischen Grenze. Dieser alte Waldweg war nach 1945 lange tabu und wurde erst nach der politischen Wende wieder, was er einmal war.

An der Kreuzung mit Unterstand führt der weitere Weg Richtung Orle (Carlsthal) nach links und hielt in beschatteten Abschnitten einige vereiste Flächen bereit. Orle selbst war in nachösterlichem Winterschlaf versunken und an diesem Tag kein Ort zum Verweilen.

Der roten Markierung und später dem Radweg folgend umgingen wir entlang der Iser bis zur Karlsbrücke den 875 m hohen Berg Granicznik. Die Karlsbrücke verband bis 1945 Deutschland und das inzwischen verschwundene Sudetenland auf dem Gebiet der Tschechoslowakei. Eine Stele auf heute polnischer Seite erinnert zweisprachig an den Friedenswunsch der Menschen.

Auf der tschechischen Seite informieren mehrsprachige Tafeln über die Geschichte der Brücke und das „Dunkelhimmelgebiet“ Isergebirge. In Deutschland, z.B. der Rhön, nennt man solche Gebiete mit geringstmöglicher Lichtverschmutzung „Sternenparks“.

Durch das Tal der Iser aufwärts erreicht man nach ca. 3 km Jizerka (Klein-Iser, auch Große Iserwiese). Die weite, ruhige Hochebene mit einer Streusiedlung lässt erahnen, wie hart hier früher das Leben der Bewohner war. Heute leben die wenigen Einwohner zwar auch noch teilweise von der Berglandwirtschaft, vor allem aber vom Tourismus. Die ehemalige Schule von Klein-Iser beherbergt das sehenswerte Museum des Isergebirges mit interessanten Einblicken in die gemeinsame deutsch-tschechischen Vergangenheit. Das renovierte Herrenhaus (Panský dům) und weitere typisch isergebirgische Häuser bieten Quartiere für Besucher, die es ruhig und abgeschieden mögen.

Der Rückweg führt immer entlang der Iser bis zum Autonomen Gebiet Hoftik (Hoffnungstal). Im Zuge eines Gebietsaustausches einigten sich in den 1950-er Jahren Polen und die Tschechoslowakei darauf, einzelne verstreute niederschlesische Flächen auf tschechoslowakischem Gebiet gegen zusammenhängende Flächen auf dem Gebiet Polens auszutauschen. Daraus entstand ein neuer Grenzverlauf. Ausgerechnet den Flecken Hoffnungsthal hatte man offenbar „vergessen“. Er blieb bis heute im Bewusstsein seiner Bewohner niederschlesisch auf tschechischem Terretorium und bezeichnet sich stolz als autonomes Gebiet.

Von Hoffnungthal (Hoftik) aus geht es abschließend für eine knappe halbe Stunde bergauf zur einstigen – ebenfalls niederschlesischen – Sommerfrische Strickerhäuser (Mytiny) und zum Bahnhof Harrachsdorf (Harrachov), wo bereits der Bus Nr. 942 darauf wartet, uns zum Quartier zu bringen. Wir waren bei dieser Tour sowohl auf dem Kammweg als auch auf der Via Czechia unterwegs.

(Fortsetzung folgt.)

Wanderwoche im Iser- und Riesengebirge im April 2026, Tag 1

(Fortsetzung des Beitrages vom 14.04.2026)

Eigentlich war für die erste Tour ein Besuch der Wosseckerbaude und der Reifträgerbaude geplant. Unser Gastgeber hatte uns aber schon vorsichtig darauf vorbereitet, dass die Wege in höheren Lagen immer noch vereist sind. So kam es dann auch und wir entschieden uns für eine Rundwanderung im Bereich der Baumgrenze.

Immer wieder ein Genuss: der Mummelfall (Mumlavský vodopád) und das Mummeltal. Die Mummelfallbaude hatte geöffnet, die Wosseckerbaude (Vosecká bouda) vom 06.-29.04.2026 leider nicht.

Auf dem Alten Wossecker Weg stiegen wir durch dichten Nadelwald bis zur querenden Radroute auf. Hier endet der begehbare Teil des naturnahen Weges und die streng geschützte Kernzone des Riesengebirgsnationalparks beginnt. Die Sperrung ist eher symbolisch, aber wir haben sie selbstverständlich akzeptiert.

Die geänderte Route führte auf einem asphaltierten Weg immer entlang der Kernzonengrenze bis zum Abstieg ins Tal der Kamenice. Von Asphalt war jedoch über weite Strecken nicht viel zu sehen. Der Weg war als Skiloipe präpariert und gewalzt und trug an vielen Stellen einen bis zu 20 cm dicken Eispanzer. Das erschwerte das Laufen und barg die Gefahr von Stürzen. Zum Glück ging alles gut.

Der Abstieg ins Tal der Kamenice wurde im oberen Teil nochmal zur Herausforderung. Vereist, angetaut, wieder vereist und kaum Stellen, an denen man nicht ins Rutschen kam. Aber auch hier ging alles gut.

Der Flussverlauf der Kamenice wurde aus Gründen des Hochwasserschutzes an mehreren Stellen durch Querverbauungen entschärft. Im Sommer bieten sich dort mehrere Gelegenheiten zum Baden im eiskalten Gebirgswasser. Uns war es auch so kalt genug und wir beendeten die erste Tour an der Glashütte (Sklárna) von Harrachov (Harrachsdorf). Fazit der ersten Tour: Es ist alles gut gegangen.

(Fortsetzung folgt)

Urlaub vor der Haustür: Eine Wanderwoche im tschechisch-polnischen Iser- und Riesengebirge im April 2026

Nach der langen Saure-Gurken-Zeit von Januar bis Anfang April beschlossen wir, in der Woche nach Ostern im Iser- und Riesengebirge zu wandern. Das Quartier in Harrachov (Harrachsdorf) war schnell gebucht; man kennt sich. Wettermäßig sollte alles im grünen Bereich sein, so die Prognose nach ICON-D2 des DWD. Das stimmte auch weitgehend, nur die Wege waren zum Teil noch sehr winterlich. Doch dazu später mehr.

In 6 Tagen legten wir auf 5 Touren moderate 87,4 km mit insgesamt 2.120 aufsteigenden Höhenmetern zurück. Regen blieb uns erspart, ebenso der angekündigte Schneefall. Die Wegeverhältnisse waren in unteren, besonnten Lagen gut bis sehr gut, nur oberhalb von 1.000 m, an Nordhängen und in schattigen Waldabschnitten lagen noch teilweise bis zu 20 cm starke Eispanzer auf ehemals präparierten Loipen. Das machte vor allem die erste Tour sehr anstrengend und trug dazu bei, dass wir uns bei den folgenden 4 Touren schwerpunktmäßig auf nicht ganz so hohe Wege im Iser- und Westriesengebirge konzentrierten.

Unter dem Beitrag gibt es eine Übersicht über den Tourenverlauf. Die einzelnen Touren werden in den folgenden Beiträgen kurz vorgestellt.

Erinnerungen an zwei Wanderwochen im Riesen- und im Isergebirge 2024, Tag 13: Alter Kammweg & Via Czechia

Der letzte Wandertag sollte noch einmal ein bleibendes Erlebnis sein. Das Wetter versprach, prächtig zu werden: viel Sonne, leichter Wind und gute Fernsicht. Diesmal wanderten wir von der ehemaligen Katzensteinbaude in Jakobstal/Jakuszyce durch das Hochmoor zum Reifträger, zur Elbquelle und dann talwärts zu Rübezahls Frühstücksplatz und zum Mummelfall. Start der Tour war auf polnischer Seite an der Bahnstation Polana Jakuczycka/Jakobstal. Am alten Forsthaus bogen wir ab und begaben uns ins vorbildlich ausgeschilderte Natura-2000-Gebiet, das im Hochmoorbereich in den polnischen Riesengebirgs- Nationalpark übergeht. Der Aufstieg bis zur Alten Schlesischen Baude dauert bei Genusstempo etwas weniger als 2 Stunden. Dort ist dann Pause angesagt. Der Blick auf Schreiberhau und den Hohen Iserkamm ist immer wieder ein Erlebnis, erst recht mit einem gut gekühlten Getränk in der Hand. Den weiteren Aufstieg in Richtung Reifträger variierten wir, indem wir den auch diesmal von zahlreichen Wanderern angesteuerten Gipfel umgingen. Menschenmassen gucken war nicht unser Ziel. Dafür begaben wir uns bis zur Ceska Budka auf den historischen Kammweg, heute als Weg der tschechisch-polnischen Freundschaft und neuerdings auch als Teil der Via Czechia gewidmet. Wege zur Freundschaft sind immer gut.

An der symbolischen Elbquelle stellten wir fest, dass sie immer noch trocken lag. Kein Wunder: in den zwei Wanderwochen hatte es nicht einen Tropfen geregnet. Am Abzweig „Zu den Vier Herren“ verließen wir zum vorläufig letzten Mal den Riesengebirgskamm und stiegen den sehr gut angelegten Weg zu Rübezahls Frühstücksplatz ab. Der Rest war Mummeltal vom Feinsten und ein Abschlussessen in Harrachov. Morgen geht es nach Hause.

Fazit: Diese Tour, eine der abwechslungsreichsten und längsten, fasziniert uns am Meisten. Sie bietet alles, was das Riesengebirge so einzigartig macht.

Und noch ein Ausblick auf Tag 14, den Abreisetag: Da wird es ein wenig Zahlensalat geben.

Erinnerungen an zwei Wanderwochen im Riesen- und im Isergebirge 2024, Tag 11: Horní Mísečky/Ober Schlüsselbauden & Ryžoviště/Seifenbach

Diese Tour begann entspannt mit einer Busfahrt von Harrachov nach Rokytnice. Dort änderte sich das. Der Bus füllte sich und in Vitkovice war er so voll, dass auch Stehplätze rar wurden und das Atmen schwerfiel. Eigentlich hätte es eine schöne Panoramafahrt sein können: schmale Bergstraßen, Aussichten vom Feinsten und ein Busfahrer, der auch bei Gegenverkehr die Nerven behielt. Wenn da nicht der Sauerstoffmangel gewesen wäre. Eine junge Frau – sichtlich schwanger – war kurz vor dem Kollabieren. An der Endstation waren alle froh, wieder an der frischen Luft zu sein.

Wenn ein Wandertag so beginnt, kann es eigentlich nur besser werden. Und das wurde es auch. Der Weg über den Harrachsdorfer Stein zu den Salenbacher Hofbauden gehört zu den eindrucksvollsten Panoramastrecken auf dem Kammplateau. Fernsichten bis zum Böhmischen Paradies, zum Jeschken und zu den Kegelbergen von Böhmischer Lausitz und Böhmischer Schweiz machten die sauerstoffarme Fahrt vergessen. Auch Schneekoppe und Wiesenbaude waren zu erkennen und rundeten das Panorama ab.

Einen Einkehrschwung gab es erneut beim Imbiss auf dem Teufelsplan. Die Betreiber machen das im Sommer wie im Winter einfach gut und das Preis-Leistungsverhältnis ist auch in Ordnung. Frisch gestärkt machten wir uns anschließend auf die Suche nach einem Weg in Richtung Ryžoviště (Seifenbach), der in keinem Wanderführer beschrieben wird. Es gibt sie noch, die einsamen, naturbelassenen und völlig legalen Wege abseits touristischer Haupttrassen – auch im Riesengebirgsnationalpark. Man muss sie nur finden.

Ryžoviště (Seifenbach) ist vor allem bei Wintersportlern beliebt. Der Ortsteil von Harrachov ist in einem ruhigen Seitental der Mumlava/Mummel gelegen und an das Pistengebiet des Teufelsberges angeschlossen. Im Sommer ist dort im Gegensatz zum Hauptort kaum Trubel. Fazit: Eine ruhige und wenig anstrengende Panoramatour zum Geniessen!

Erinnerungen an zwei Wanderwochen im Riesen- und im Isergebirge 2024, Tag 9: Graf Harrach, Rübezahl & Pavel Ploc

Nach den Touren der ersten 8 Tage auf entfernteren Routen sollte es am 9. Tag der Wanderreise vor allem um den Standort Harrachov und seine nähere Umgebung gehen. Dieser Ort ist weit mehr als eine Hauptstraße mit ein paar Hotels und Restaurants drumherum. Harrachov/Harrachsdorf hat vieles zu bieten: ein Glasmuseum, eine Brauerei, ein Skimuseum, ein Bergbaumuseum, typische Riesengebirgsarchitektur und manches mehr. So wissen wir jetzt z.B., wo 007 wohnt.;-)

Die interessantesten Eindrücke gewinnt man abseits der Touristenmeile. Drei Nebentäler lassen den Trubel schnell vergessen. Gute und preiswerte Restaurants gibt es da übrigens auch.

Bei unserer Entdeckertour begegneten wir dem Grafen Harrach, dem der Ort und die Umgebung einst gehörten und wie es sich für das Riesengebirge gehört, dem Herrn der Berge: Rübezahl. Beide in geschnitzter Form und würdevoll das Ortsbild bereichernd. Stolz ist man hier auch auf einen ehemaligen Weltklasseskispringer: Pavel Ploc. 1983 wurde er vor heimischem Publikum Vizeweltmeister im Skifliegen, 1988 Silbermedaillengewinner in Calgary hinter Matti Nykänen und 1989 bei den Nordischen Skiweltmeisterschaften Bronzemedaillengewinner mit der tschechoslowakischen Mannschaft in Lahti. Pavel Ploc betreibt eine Skipension mit Restaurant und hat sich auch politisch engagiert. 2006 wurde er für die Partei CSSD als Abgeordneter ins Parlament der Tschechischen Republik gewählt. (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Pavel_Ploc).

Besonders interessant sind Wege, die nicht in Wanderführern stehen oder die abseits der Hauptwege verlaufen. So entdeckten wir einen kleinen Pfad in Richtung Polana Jakuzicka, der auf tschechischem Gebiet mit polnischen Wanderwegweisern markiert, aber in Wanderkarten (noch) nicht enthalten ist. Diesen Weg gehen wir an einem der folgenden Tage ins Isergebirge. Auch der nicht ganz neue Weg nach ⁦Rýžoviště (⁩⁦Seifenbach⁩⁦), einer alten Bergmannssiedlung, gefiel uns sehr gut. Wir gingen ihn bereits im Winter mit Schneeschuhen und werden ihn ebenfalls in den nächsten Tagen in eine Tour integrieren. Einen weiteren Weg nach Jakuszyce/Jakobstal entdeckten wir eher zufällig. Er zweigt vom Harrachover Weg ab und wird anscheinend wenig begangen. Wir werden ihn bei Gelegenheit testen, aber nicht mehr während dieser Wanderreise.

Fazit: Man kann einen ganzen Tag in und um Harrachov unterwegs sein, ohne eine Minute Langeweile zu empfinden. Ach ja, und Harrachov ist auch Station auf dem Nordweg der neuen Via Czechia. Dazu später mehr.

Erinnerungen an zwei Wanderwochen im Riesen- und im Isergebirge 2024, Tag 7: Teufelsberg & Hofbauden

Auf die eher geruhsame Tour vom Vortag sollte eine etwas dynamischere folgen. Geplant war, zu Fuß von Harrachov zum Teufelsberg/Čertova hora aufzusteigen und über Teufelsplan und Studenov zu den Rochlitzer/Salenbacher Hofbauden/Dvoračky zu wandern. Doch die sehnsüchtigen Blicke auf die Seilbahn blieben nicht folgenlos: wir entschieden uns spontan für die Bahn und begannen die Tour auf dem 1.020 m hohen Hausberg Harrachovs. Dank seiner legendären Skiflugschanze und der Normalschanzen, die freilich allesamt in einem beklagenswerten Zustand und nicht mehr wettkampftauglich sind, ist der Teufelsberg neben dem Mummelfall das wahrscheinlich bekannteste Wahrzeichen Harrachovs.

Auf dem Weg nach Studenov trennte sich allmählich die Wandergemeinde. Die meisten bummelten gemütlich von Rastplatz zu Rastplatz und so konnten wir sie hinter uns lassen. In Studenov hatte eine Imbisshütte geöffnet; das Restaurant hingegen geschlossen. Auf eine Rast verzichteten wir wegen aggressiver Wespen. An der Imbisshütte Ručičky/Teufelsplan holten wir die Einkehr nach. Die Betreiber hatten vorausschauend Wespenfallen aufgestellt, die ihre Funktion prima erfüllten. Die Belästigung durch stechfreudige Insekten hielt sich in Grenzen und wir blieben komplett stichfrei.

Ab Ručičky/Teufelsplan steigt der Weg nach Dvoračky/Hofbauden kontinuierlich an und führt durch das Skigebiet von Rokytnice nad Jizerou/Rochlitz an der Iser. Hier ist Vorsicht und gegenseitige Rücksichtnahme angesagt. Im Winter wegen der kreuzenden Abfahrtspisten und in der übrigen Zeit des Jahres wegen der zahlreichen Radfahrer. Denn der Wanderweg ist zugleich als Radweg ausgewiesen und wird rege als solcher genutzt.

Da wie erwartet das Restaurant und die Sonnenterasse an der Hofbaude voll belegt waren, zogen wir weiter auf den böhmischen Kamm des Riesengebirges zur 1.435 m hohen Kesselkoppe/Kotel. Eigentlich wäre das ein super Aussichtsberg, aber der Gipfel befindet sich in der Kernzone des Riesengebirgs- Nationalparks und markierte Wege dorthin gibt es nicht. Das akzeptieren wir und setzen den Weg vorbei an mehreren Bunkern des sogenannten Tschechoslowakischen Walls aus den 1930-er Jahren fort. Diese Schutzbauwerke sollten der Abwehr eines befürchteten deutschen Angriffs dienen, wurden jedoch nie in Kampfhandlungen eingesetzt. Im sogenannten Münchener Abkommen von 1938 wurde die Tschechoslowakei zur kampflosen Abtretung der Sudetengebiete und zur Übergabe aller darin befindlichen Ressourcen gezwungen. Was dem folgte, ist bekannt. Historie, die sich eigentlich niemals und nirgendwo wiederholen sollte. Eigentlich.

Wandern kann auch den historischen Horizont der Teilnehmenden erweitern.

Nach dem Weg durch die für die Kammregion so typische Offenlandschaft mit ihren Wiesen und Latschenkiefern begann am Kreuzungspunkt „U čtyř pánů/Bei den vier Herren“ der Abstieg in Richtung Harrachov. Vorbei an Rübezahls Frühstücksplatz und Mummelfall genossen wir aufs Neue das romantische Mummeltal und belohnten uns am Ende der Tour mit typisch böhmischer Küche in einem urigen Gasthaus. Fazit: Auch diese Tour haben wir nicht zum letzten Mal gemacht!

Erinnerungen an zwei Wanderwochen im Riesen- und im Isergebirge 2024, Tag 4:  ‎Szklarska Poręba & Zackelfall

Der Wunsch nach einem Besuch in Szklarska Poreba/Schreiberhau auf der niederschlesischen Seite des Riesengebirges bestand schon länger, wurde aber immer wieder verworfen. Diesmal sollte es jedoch klappen. Die Zugverbindung von Harrachov/Harrachsdorf nach Szklarska Poreba/Schreiberhau ist ideal geeignet, schnell und preiswert. Die Fahrzeit beträgt ca. 25 Minuten und der Preis pro Person 60 Tschechische Kronen (= ca. 2,40 EUR). Die Züge sind auf die Minute pünktlich und die Schaffner von erlesener Freundlichkeit. Fahrkartenkauf im Zug ist eine Selbstverständlichkeit und wenn man Wert darauf legt, erhält man die Fahrkarte auch zum Tarif 65+ für einen reduzierten Preis. Die Deutsche Bahn sollte ihre Führungskräfte und Zugbegleiter zum Praktikum bei der Tschechischen Bahn delegieren.

In Szklarska Poreba/Schreiberhau angekommen, stehen für weiterreisende Fahrgäste schon der Regionalzug der Niederschlesischen Eisenbahn nach Wroclaw/Breslau und der Schnellzug nach Warzawa/Warschau bereit. Auch auf polnischer Seite sind alle Züge sauber, pünktlich und der Ablauf ist wohlorganisiert. Beeindruckend!

Auf dem Weg zum Zackelfall müssen wir innerorts mehrere Baustellen passieren. Es geht eng und laut zu und über den Arbeitsschutz schweigt des Chronisten Höflichkeit. Unterwegs gewinnen wir zunehmend den Eindruck, Teil einer Prozession zu sein. Hunderte, Tausende scheinen das gleiche Ziel „Zackelfall“ zu haben. Am Eingang zum Kassenhäuschen hat sich schon eine ellenlange Warteschlange gebildet. Wir beschließen, auf den kostenpflichtigen Eintritt zu verzichten und fotografieren den Zackelfall von oben durch ein Absperrgitter. Während der folgenden Pause in einer urigen Hütte fällt ein altes Radio auf: produziert im Sachsenwerk Dresden-Niedersedlitz – vermutlich ein Beutestück aus der Zeit der Vertreibung. Für den Rückweg zum Bahnhof wählen wir bewusst eine andere, menschenarme Route durch den polnischen Riesengebirgsnationalpark. Ein Nationalpark sollte kein Rummelplatz sein!

Fazit: Szklarska Poreba/Schreiberhau, wir kommen wieder! Aber definitiv nicht zum Zackelfall!

Hier ist eine Übersichtskarte des Ortes: