Kategorie: Jizerské hory

Wanderwoche im Iser- und Riesengebirge im April 2026, Tag 5

(Fortsetzung des Beitrags vom 14.04.2026 und Schluss)

Für den letzten Tag der Wanderwoche haben wir uns die Tour von Harrachov auf den Hohen Iserkamm zum Hochstein (polnisch: Wysoki Kamień) aufgehoben. Mit seinen 1.058 m über NN bietet der Berg eine vorzügliche Rundumsicht zum Kamm des Riesengebirges, auf Teile des Isergebirges und das Hirschberger Tal. Das Wetter war einladend und die Wege mit geringen Ausnahmen eisfrei und gut begehbar.

Der Lieblingsweg ab Harrachov führte uns wieder auf die Trasse von Orle (Carlsthal) nach Jakuszyce (Jakobsthal). Am Biathlonstadion nahmen wir als Abkürzung eine im Hochwinter für die Biathleten gewalzte Route, die ca. 300 m weiter in den blau markierten Hauptweg mündete. Der „Rest“ bis zum Hohen Iserkamm war ein breiter Weg, den sich Wanderer und Radfahrer teilen. Was besonders auffiel: die Wegmarkierungen auf polnischer Seite sind ebenso wie die auf tschechischer Seite einheitlich gestaltet, sehr informativ und werden offensichtlich gut gepflegt.

Auf dem Hohen Iserkamm wird der Weg bis zum Hochstein schmaler und steiniger. Es war Samstag und uns kamen sehr viele kleine und größere Gruppen und Grüppchen entgegen. Mal grüßte man sich freundlich mit „dobrý den“ auf tschechisch, mal mit „dzień dobry“ auf polnisch und selten mit „Hallo“ (Das waren meist Deutsche.). Alles in allem begegneten sich die Wandernden sehr respektvoll und freundlich.

Auf dem Hochstein angekommen öffneten sich weite Blicke über die Landschaft und man mochte am liebsten gar nicht mehr ins Tal zurück. Dazu trugen auch Verpflegung und Getränke aus der Hochsteinbaude bei. Die Sonne machte träge; photografieren war die einzige aktive Beschäftigung auf dem Hochstein. Der Turm gegenüber der Baude hatte geöffnet, aber wir verzichteten auf eine Besteigung. Die Sicht war auch vom Plateau aus sehr gut.

Der Abstieg zum Bahnhof in Szklarska Poręba Górna (Ober-Schreiberhau) ist auf verschiedenen Wegen möglich. Wir entschieden uns zuerst für den rot markierten und verließen ihn nach ca. 30 Minuten, um auf wilden Waldpfaden querfeldein den Ortsrand zu erreichen. Am Bahnhof erwartete uns ein neu errichteter Imbiss mit preiswerten Getränken, Sitzgelegenheiten und sehr freundlichem Personal. So ließ sich die kurze Wartezeit gut überbrücken, bevor uns die Tschechische Bahn (České dráhy) zurück nach Harrachov brachte.

In Szklarska Poręba Górna bestehen übrigens interessante Umsteigeverbindungen, um mit der Koleje Dolnośląskie (KD) deutsch: Niederschlesische Eisenbahnen) weiter nach Jelenia Gora (Hirschberg) und Wroclaw (Breslau) zu fahren. Ab Wroclaw bestehen Verbindungen nach Krakow (Krakau) und nach Warzawa (Warschau). Die KD befindet sich im Besitz der Wojewodschaft Niederschlesien und arbeitet permanent an einer Vergrößerung des Streckennetzes sowie der Wiederinbetriebnahme ehemals stillgelegter Strecken. Für die Deutsche Bahn und politisch Verantwortliche eine gute Möglichkeit, bei der KD zu hospitieren und zu lernen, wie Eisenbahn im Jahr 2026 geht. Es ist nicht weit nach Niederschlesien.

Fazit: Diese Wanderwoche hat sehr viel Spaß gemacht, Wegekenntnisse aufgefrischt und dazu beigetragen, die regionalen und grenzüberschreitenden Verkehrsverbindungen des ÖPNV aktiv zu testen. Alles zusammen trägt dazu bei, dass Touren im Iser- und Riesengebirge auf der Planungswunschliste weiter nach oben gerückt sind.

Wanderwoche im Iser- und Riesengebirge im April 2026, Tag 4

(Fortsetzung des Beitrages vom 14.04.2026)

Dass Harrachov (Harrachsdorf) verkehrsgünstig gelegen ist, macht diese Gemeinde zu einem idealen Start- oder Zielort. Man kann dort auch preiswerte Quartiere finden, wie es uns auch dieses Mal wieder gelang. So kam die Idee auf, spontan unseren freundlichen und hilfsbereiten Gastgeber vergangener Aufenthalte, František, im Nachbarort Rokytnice n. J. (Rochlitz an der Iser) zu besuchen. Mit dem Bus Nr. 900 Richtung Prag braucht man bis zum unteren Ortsende von Rokytnice nur 16 Minuten und weitere 25 Minuten zu Fuß nach Dolni Rokytnice. Schade, aber erwartbar: František hatte sein Haus nach den Ostertagen temporär geschlossen und sich wohl ein paar Tage Urlaub gegönnt.

Unser zweites Tagesziel war die große Rokytnicer Runde auf halber Höhe. Dort war es schnee- und eisfrei und man hat in ost-nord-westlicher Blickrichtung (fast) immer eine gute Sicht bis zur Rochlitzer und Salenbacher Hofbaude (Horský hotel Štumpovka a Horská bouda Dvoračky), zur Kesselkoppe (Kotel) und zum Skiareal Studenov (Kaltenberg). In südlicher Richtung ist der Blick frei ins angrenzende Isergebirge auf der anderen Uferseite des namensgebenden Flusses und die Orte Paseky nad Jiserou und Vysoke nad Jiserou. 360 Grad Panorama und gar nicht überlaufen.

Auf dem Weg nach Františkov fiel uns ein neu angelegter Lehrpfad der Holzbildhauerei auf. Zahlreiche künstlerisch bearbeitete Skulpturen säumten den Weg bis zum Museum der Holzbildhauerei. Sehr interessant und sehenswert!

Der Rückweg auf der anderen Talseite führt unmittelbar am Friedhof vorbei. Tschechische Friedhöfe sind immer etwas Besonderes. Alte Gräber, die die hasserfüllte Raserei der Nachkriegszeit überstanden, erinnern an die einstigen deutschen Bewohner von Rochlitz. Manche Gräber sind sehr gepflegt und der einen oder anderen Jahreszahl auf den Grabinschriften ist zu entnehmen, dass auch in den 2000-Jahren in Rochlitz Menschen aus deutschen Familien bestattet wurden. Beeindruckend und rätselhaft auf diesem katholischen Friedhof war auch das Grab einer verstorbenen Frau mit deutscher und hebräischer Inschrift auf dem Grabstein.

Nach abgeschlossener Rochlitzer Runde nutzten wir in Nähe des beeindruckenden Rathauses noch einen Supermarkt und das phantasievoll eingerichtete Geschäft einer regionalen Bäckereikette, um uns zu stärken und die Rucksackverpflegung für die abschließende Wanderung am Tag 5 aufzufüllen. Fazit: Immer wieder gern, Rokytnice!

(Fortsetzung folgt!)

Wanderwoche im Iser- und Riesengebirge im April 2026, Tag 2

(Fortsetzung des Beitrages vom 14.04.2026)

Bestes Wanderwetter begrüßte uns am Morgen des zweiten Tourentages. Nach der Erfahrung der 1. Tour entschieden wir uns dafür, diesmal ins etwas tiefer gelegene Isergebirge zu gehen. Als Etappenziele nahmen wir uns Orle (Carlsthal), die Karlsbrücke über die Iser – nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Brücke in Prag – und Klein-Iser (Jizerka) vor. Start war in Harrachov (Harrachsdorf) direkt an der tschechisch-polnischen Grenze. Dieser alte Waldweg war nach 1945 lange tabu und wurde erst nach der politischen Wende wieder, was er einmal war.

An der Kreuzung mit Unterstand führt der weitere Weg Richtung Orle (Carlsthal) nach links und hielt in beschatteten Abschnitten einige vereiste Flächen bereit. Orle selbst war in nachösterlichem Winterschlaf versunken und an diesem Tag kein Ort zum Verweilen.

Der roten Markierung und später dem Radweg folgend umgingen wir entlang der Iser bis zur Karlsbrücke den 875 m hohen Berg Granicznik. Die Karlsbrücke verband bis 1945 Deutschland und das inzwischen verschwundene Sudetenland auf dem Gebiet der Tschechoslowakei. Eine Stele auf heute polnischer Seite erinnert zweisprachig an den Friedenswunsch der Menschen.

Auf der tschechischen Seite informieren mehrsprachige Tafeln über die Geschichte der Brücke und das „Dunkelhimmelgebiet“ Isergebirge. In Deutschland, z.B. der Rhön, nennt man solche Gebiete mit geringstmöglicher Lichtverschmutzung „Sternenparks“.

Durch das Tal der Iser aufwärts erreicht man nach ca. 3 km Jizerka (Klein-Iser, auch Große Iserwiese). Die weite, ruhige Hochebene mit einer Streusiedlung lässt erahnen, wie hart hier früher das Leben der Bewohner war. Heute leben die wenigen Einwohner zwar auch noch teilweise von der Berglandwirtschaft, vor allem aber vom Tourismus. Die ehemalige Schule von Klein-Iser beherbergt das sehenswerte Museum des Isergebirges mit interessanten Einblicken in die gemeinsame deutsch-tschechischen Vergangenheit. Das renovierte Herrenhaus (Panský dům) und weitere typisch isergebirgische Häuser bieten Quartiere für Besucher, die es ruhig und abgeschieden mögen.

Der Rückweg führt immer entlang der Iser bis zum Autonomen Gebiet Hoftik (Hoffnungstal). Im Zuge eines Gebietsaustausches einigten sich in den 1950-er Jahren Polen und die Tschechoslowakei darauf, einzelne verstreute niederschlesische Flächen auf tschechoslowakischem Gebiet gegen zusammenhängende Flächen auf dem Gebiet Polens auszutauschen. Daraus entstand ein neuer Grenzverlauf. Ausgerechnet den Flecken Hoffnungsthal hatte man offenbar „vergessen“. Er blieb bis heute im Bewusstsein seiner Bewohner niederschlesisch auf tschechischem Terretorium und bezeichnet sich stolz als autonomes Gebiet.

Von Hoffnungthal (Hoftik) aus geht es abschließend für eine knappe halbe Stunde bergauf zur einstigen – ebenfalls niederschlesischen – Sommerfrische Strickerhäuser (Mytiny) und zum Bahnhof Harrachsdorf (Harrachov), wo bereits der Bus Nr. 942 darauf wartet, uns zum Quartier zu bringen. Wir waren bei dieser Tour sowohl auf dem Kammweg als auch auf der Via Czechia unterwegs.

(Fortsetzung folgt.)

Urlaub vor der Haustür: Eine Wanderwoche im tschechisch-polnischen Iser- und Riesengebirge im April 2026

Nach der langen Saure-Gurken-Zeit von Januar bis Anfang April beschlossen wir, in der Woche nach Ostern im Iser- und Riesengebirge zu wandern. Das Quartier in Harrachov (Harrachsdorf) war schnell gebucht; man kennt sich. Wettermäßig sollte alles im grünen Bereich sein, so die Prognose nach ICON-D2 des DWD. Das stimmte auch weitgehend, nur die Wege waren zum Teil noch sehr winterlich. Doch dazu später mehr.

In 6 Tagen legten wir auf 5 Touren moderate 87,4 km mit insgesamt 2.120 aufsteigenden Höhenmetern zurück. Regen blieb uns erspart, ebenso der angekündigte Schneefall. Die Wegeverhältnisse waren in unteren, besonnten Lagen gut bis sehr gut, nur oberhalb von 1.000 m, an Nordhängen und in schattigen Waldabschnitten lagen noch teilweise bis zu 20 cm starke Eispanzer auf ehemals präparierten Loipen. Das machte vor allem die erste Tour sehr anstrengend und trug dazu bei, dass wir uns bei den folgenden 4 Touren schwerpunktmäßig auf nicht ganz so hohe Wege im Iser- und Westriesengebirge konzentrierten.

Unter dem Beitrag gibt es eine Übersicht über den Tourenverlauf. Die einzelnen Touren werden in den folgenden Beiträgen kurz vorgestellt.

Neue Kammtouren geplant

Die Streckenwanderung auf dem Oberlausitzer Bergweg im Jahr 2025 hat Lust auf mehr gemacht. Deshalb sind in 2026 folgende neue Kammtouren geplant:

  • Über Ostern werden wir eine Woche im tschechischen und polnischen Iser- und Riesengebirge unterwegs sein und neue Routen testen. Selbstverständlich gehören auch Abstecher zum Reifträger und zur Wosseckerbaude dazu. Das Lieblingsquartier in Harrachov ist bereits gebucht.
  • Im Juli testen wir auf einer Streckenwanderung 12 Etappen des Kammweges Erzgebirge-Vogtland. Der Start ist in Geising und das Ziel in Schöneck. Wir werden hauptsächlich auf der sächsischen Seite des Erzgebirges unterwegs sein und jeden Tag in einem anderen Quartier schlafen.
  • Im September ist eine mehrtägige Kammtour im Böhmischen Erzgebirge von einem Standquartier aus geplant.
  • Im Oktober werden wir eine Woche lang vom Standquartier in Krasna Lipa aus Varianten des neuen Kammweges in der Böhmischen Schweiz und im Lausitzer Gebirge unter die Füße nehmen.

Für diese neuen KammTouren entfallen im Gegenzug ursprünglich geplante Touren in der Nationalparkregion Sächsisch-Böhmische Schweiz. Das ist eine Konsequenz aus den ganzjährig andauernden Bauarbeiten der Deutschen Bahn im oberen Elbtal und dem Bau einer Ersatzbrücke in Bad Schandau. Die Arbeiten haben umfangreiche Streckensperrungen und Ersatzverkehr zur Folge. Bisher ist noch kein Saisonfahrplan veröffentlicht und es ist nicht klar, ob erforderliche Umsteigeverbindungen gesichert sein werden. Im Jahr 2025 fielen mehrere Touren infolge verpasster Umstiege zur Nationalparkbahn und zu Bussen in Tschechien aus. Das soll in 2026 vermieden werden.

Erinnerungen an zwei Wanderwochen im Riesen- und im Isergebirge 2024, Tag 14: Abreise & Fazit

Auch die schönste Wanderreise ist irgendwann vorbei. Das muss auch Petrus nahe gegangen sein, denn er ließ am Abreisetag bittere Tränen regnen. 13 Tage Sonnenschein und ein Tag Regen sind trotzdem eine gute Wetterbilanz für eine Wanderreise im Iser- und Riesengebirge. Und weil das Wort Bilanz gerade fiel, hier noch etwas Zahlensalat:

  • Wir sind an 13 von 14 Tagen gewandert.
  • Damit haben wir insgesamt 74:11 Std. verbracht.
  • Zurückgelegt wurden dabei 253 km und 6.390 Höhenmeter.

Fazit: Das Gesamterlebnis war grandios, die Erwartungen wurden weit übertroffen. Insbesondere die grenzüberschreitenden Kammüberquerungen und -touren haben uns fasziniert und verfügen über viel Potential für weitere Wanderreisen. Gern mit Kleingruppen von mindestens 5 bis maximal 15 Personen und in Kooperation mit Wanderreiseveranstaltern – Kontakt siehe Impressum.

Erinnerungen an zwei Wanderwochen im Riesen- und im Isergebirge 2024, Tag 8: Klein Iser & Autonomes Gebiet Hoftik/Hoffnungstal

Bevor die Erinnerungsnotizen für Tag 8 beginnen eine Anmerkung zu den bisher veröffentlichten Beiträgen: Alle haben ein kleines Update bekommen. Aus Teil wurde Tag. Dieses Wort ist treffender. Wir haben nicht teilweise, sondern täglich etwas unternommen. Auf Ruhetage im Sinne von Faulenzen und Bewegungsarmut haben wir bewusst verzichtet. Und nun zu Tag 8:

Da uns Jizerka/Klein Iser beim ersten Besuch sehr gut gefiel, wollten wir dort auf einem anderen Weg nochmals hinwandern. Start war dieses Mal in Desna/Dessendorf, das mit der Ceske Drahy von Harrachov aus in wenigen Minuten erreicht ist. Erste Station am Wegesrand war die Riedel- Villa/Riedlova vila des einstigen, namensgebenden Glasfabrikanten. Sie wird z.Z. renoviert und beherbergt die Touristinformation des Ortes. Auf den Besuch der abseits gelegenen, sehr schön restaurierten Familiengruft haben wir bei dieser Tour verzichtet. Nach Durchquerung des Ortes zu ebener Erde begann der schweißtreibende Anstieg nach Novina/Neustück. An einem unscheinbaren Schuppen entdeckten wir ein altes Foto und Informationen über dessen frühere Nutzung durch die örtliche Feuerwehr. Ein interessanter Einblick in die Regionalgeschichte dieses Isergebirgsortes!

Auf herrlich schattigen Waldwegen erreichten wir danach Jizerka/Klein Iser, wo wir uns an einem Imbissstand gut gekühlte Getränke gönnten. Bewundernswert, wie cool die Betreiber mit der Wespenplage umgingen! Uns war die Gier der Insekten nach zucker- und eiweißhaltiger Beute zu viel. Unterhalb des Berges Bukovec/Buchberg fanden wir schließlich ein wespenfreies Plätzchen für die Mittagsrast. Herrlich, dieser Blick über die bewaldeten Höhen und die Streusiedlung bis hin zu den markanten Bergrücken von Tafelfichte/Smrk und Heufuder/Stóg Izerski!

Nach einer Dreiviertelumrundung des Berges Bukovec/Buchberg stiegen wir durch das Tal der Iser wieder ab. Nächste Station am Weg war das autonome niederschlesische Gebiet Hoftik/Hoffnungstal auf tschechischer Flur. Bis 1945 gehörte das Gebiet der einstigen Strickerhäuser zu Schlesien und wurde wegen seiner landschaftlichen Reize gern als „Schlesische Schweiz“ bezeichnet.

Nach der Abtrennung Schlesiens von Deutschland wurde es Teil Polens. Anfang der 1950-er Jahre einigten sich Polen und die Tschechoslowakei auf einen Gebietstausch, Hoftik wurde tschechoslowakisch und Harrachov bekam endlich einen Bahnhof. Der liegt zwar 2 km außerhalb des Ortes, ist aber mit Bussen sehr gut angebunden. Uns war es am Ende ganz recht, die Tour mit einer kleinen Busfahrt abzurunden.

Fazit: Hoftik/Hoffnungstal und das dortige Restaurace werden wir auf jeden Fall in eine weitere Kammtour von Tannwald/Tanvald über Bad Wurzelsdorf/Kořenov einbinden.

Erinnerungen an zwei Wanderwochen im Riesen- und im Isergebirge 2024, Tag 3: Orle & Jizerka

Am 16.07.2024 sollte es auf Abschnitte des Kammweges und des Nordweges der Via Czechia ins Isergebirge gehen. Das ist von Harrachov Neuwelt aus fußläufig ohne weiteres möglich. Wir wollten jedoch zunächst die Busverbindung bis zum Bahnhof testen. Die funktioniert prima und ist perfekt auf die Ankunft der Züge aus Liberec/Reichenberg bzw. Szkarska Poreba/Schreiberhau abgestimmt. Man kann hier guten Gewissens die Uhr nach Bus und Bahn stellen. Direkt am Gleis in Richtung Liberec/Reichenberg beginnt der gut markierte Wander- und Radweg nach Orle/Karlstal. Die Wegequalität ist jedoch sehr unterschiedlich. Anfangs gut zu begehen, wird er später aufgrund des unebenen, steinigen Untergrundes zu einer Zumutung für Wanderer und Radfahrer (Wie immer sind Menschen jederlei Geschlechts und Identität gleichberechtigt gemeint: m/w/d!). An der Einmündung in den von Jakuczyce/Jakobstal nach Orle/Karlstal führenden Weg ändert sich der Belag von steinig zu asphaltiert. Es gibt angenehmere Wege im Isergebirge.

In Orle/Karlstal ist eine Rast im markanten Gasthaus angesagt. Im Inneren des Gebäudes wird die wechselvolle Geschichte des einstigen Glasbläserortes dokumentiert: interessant und sehenswert! Von Orle/Karlstal geht es zunächst weiter in Richtung Berg Granicznik und entlang der vor sich hin mäandernden Iser bis zur Karlsbrücke (Nicht zu verwechseln mit der Moldauüberquerung gleichen Namens in Prag!), wo wir von der polnischen wieder auf die tschechische Seite des Gebirges wechseln. Dem sanft ansteigenden Weg folgen wir bis zur Streusiedlung Jizerka/ Klein Iser, früher: Wilhelmshöhe, wo wir unsere Mittagspause im vorzüglich restaurierten Herrenhaus/Pansky Dum einlegen. Nach der Mittagspause statten wir der ehemalige Dorfschule einen Besuch ab. Sie wird heute als „Museum des Isergebirges“ genutzt und verdeutlicht anschaulich die wechselvolle Geschichte dieses besonderen Ortes. Jizerka/Klein Iser hat es uns angetan und wir sollten nicht zum letzten Mal dort sein.

Der wenig spektakuläre Rückweg zum Bahnhof Harrachov bietet ausreichend Zeit, das Erlebte zu verarbeiten und gedanklich die nächste Tour vorzubereiten, die uns einige Tage später auf anderen Wegen erneut nach Jizerka/Klein Iser führen soll. Fazit: Das Isergebirge hat seinen ganz eigenen Charakter und Charme und bietet ein interessantes Kontrasterlebnis zum benachbarten Riesengebirge!

Erinnerungen an zwei Wanderwochen im Riesen- und im Isergebirge 2024, Tag 1: Ankunft in Harrachov

Es lockt immer wieder, das Riesengebirge! Nachdem wir in den vergangenen Jahren mehrmals im Ostriesengebirge zwischen Sněžka/Schneekoppe und Žacléř/Schatzlar, im zentralen Teil um Špindlerův Mlýn/Spindlermühle und im westlichen Bereich um Rokytnice nad Jizerou/Rochlitz an der Iser unterwegs waren, entschieden wir uns diesmal für Harrachov/Harrachsdorf als Standquartier. Der Ort ist von Dresden aus gut mit dem Zug via Liberec/Reichenberg zu erreichen, bietet genügend Quartiere für jeden Geldbeutel und Geschmack und verfügt über sehr gute innertschechische und grenzüberschreitende Verkehrsanbindungen für Wanderungen im böhmischen und schlesischen Iser- und Riesengebirge. Und genau darum ging es uns: Kammtouren grenzüberschreitend in Polen und Tschechien, ohne lange Anfahrten und möglichst vom Standquartier aus.

Innerhalb der zwei Wanderwochen absolvierten wir 12 Tagestouren zwischen 18 und 23 km Länge und 2 „Ruhetage“ mit Kurztouren unter 15 km Länge. Das Wetter war stabil und hochsommerlich. Von Regen blieben wir verschont und zum Glück auch von Gewittern. Wir hatten ein Topquartier mit ebenerdiger Terasse, Frühstück an die Tür und sehr gastfreundlichen Pensionsbetreibern. Als Zugabe an heißen Tagen gab es direkt am Grundstück Abkühlung im kristallklaren Wasser des kleinen Flüßchens Kamenice, das wenige hundert Meter talwärts in die Iser mündete. Alles in allen fanden wir ideale Rahmenbedingungen für unser Wanderprojekt vor. Darüber soll hier in loser Folge berichtet werden.

(Fortsetzung folgt!)

Historischer Kammweg wird wieder belebt

Dieser Beitrag knüpft an den Beitrag vom 05.01.2024 an. Darin ging es um die Historie des alten böhmischen Kammweges und wie daraus die Idee für das Wanderprojekt kammtouren.eu entstand.

Jetzt machen wir einen Zeitensprung.

Der alte Kammweg war zwar fast 70 Jahre unsichtbar, aber völlig verschwunden war er nie. Im Riesengebirge gab es ihn nach 1945 auf dem traditionellen Verlauf als „Weg der tschechisch-polnischen Freundschaft“. Diese Freundschaft bezog nicht unbedingt wandernde DDR- Bürger ein. Wer z.B. die Schneekoppe von der tschechoslowakischen Seite kommend besteigen und an der Schlesischen Baude auf die polnische Seite wechseln wollte, wurde nicht selten von Grenzsoldaten daran gehindert. Tschechen und Slowaken durften, was DDR- Deutschen verwehrt blieb. Das ist Geschichte; heute interessiert sich niemand mehr für den Grenzverlauf. Europa lebt auch im Riesengebirge. Umfangreich zusammengefasst ist das inzwischen tschechisch-polnische Projekt auf der Webseite Hrebrenovka. In sehr informativen Beiträgen und Youtube- Videos werden Abschnitte des Kammweges und der Riesengebirgslandschaft in den Regionen Reichenberg/ Liberec, Königsgrätz/ Hradec Králové, Pardubitz/ Pardubice und Olmütz/ Olomouc bis zum Altvater/ Praděd und auf der niederschlesischen Seite in Polen vorgestellt. Das Projekt  „Tschechisch-Polnische Hřebenovka – Östlicher Teil“ Reg. Nr. CZ.11.2.45/0.0/0.0/16_025/0001254 wurde  im Rahmen des grenzüberschreitenden Kooperationsprogramms Interreg VA Tschechische Republik – Polen 2014 – 2020 umgesetzt.

Der westliche Teil des alten böhmischen Kammweges befindet sich überwiegend auf dem Gebiet der Aussiger Region/ Ústecký kraj. Er führt von Ost nach West – oder in der Gegenrichtung – durch das Isergebirge/ Jizerské hory, das Lausitzer Gebirge/ Lužické hory, die Böhmische Schweiz/ České Švýcarsko und das Erzgebirge/ Krušnohoří. Zahlreiche Abschnitte sind neu markiert und teilweise umverlegt worden. Der Streckenverlauf im Böhmischen Erzgebirge soll laut Klub Tschechischer Touristen/ Klub českých turistů, kurz KČT, im Verlaufe des Jahres 2024 vollständig fertiggestellt und mit dem traditionellen blauen Kammwegzeichen markiert sein.

Wir sind neugierig auf das Ergebnis und entschlossen, ein tolles Wandererlebnis daraus zu machen.