Kategorie: Sachsen

Erinnerung an eine Tour auf dem Pumphutsteig in der Oberlausitz

Der Pumphutsteig rund um Wilthen in der Oberlausitz ist dem sagenumwobenen Müllerburschen Martin Niemec, genannt Pumphut nach der eigentümlichen Form seines Hutes, gewidmet. Um Pumphut ranken sich unzählige Sagen, Legenden und andere Geschichten in der Oberlausitz und weit darüber hinaus. Selbst in der Hummelmühle bei Dresden soll er einst erschienen sein. Doch das ist eine andere Geschichte.

Fast so legendär wie sein Namenspate ist der Rundwanderweg um Wilthen. Start und Ziel ist an der Pumphutfigur, die auf dem Weg vom Bahnhof in den Ort nicht zu übersehen ist. Wir entschieden uns diesmal für die große Runde über ca. 20 km. Der Weg führt zunächst durch den Ort und später über Wiesen zum Waldrand. Dort lädt eine liebevoll gestaltete Rasthütte zu einer ersten Pause ein. Weiter geht es bergauf zum Mönchswalder Berg. Vor dem Gasthaus erwarteten uns zwei hübsche, junge Frauen, die uns fragten, ob wir wir glitzern wollen. Was für eine Frage! Wir wollen nicht nur mit sportlicher Leistungs glänzen, sondern glitzern! Also stimmten wir zu. Für den Rest des Tages trugen wir die auf Gesicht und Arme gesprühten Glitzersterne durch die Oberlausitz bis zur abendlichen Dusche in Dresden. Wie sich herausstellte, waren die beiden Frauen Streckenposten des Oberlausitztrails (OLT), der an diesem Tag stattfand. Wir liefen weite Teile des Trails sozusagen außerhalb der Wertung mit.

Der Weg vom Mönchswalder Berg bis zum Jägerhaus ist teilweise abschüssig, steil und steinig, aber ein T3-Weg nach der SAC-Wegeskala ist er nicht wirklich. In der komoot- Karte wird er zwar so klassifiziert, aber das erscheint übertrieben. Wanderleiter*innen von manchen Mittelgebirgswandervereinen hätten damit vermutlich ein Problem, dürfen sie doch meist keine Gruppen auf T3- Wegen führen, ohne den Verlust ihres Versicherungsschutzes zu riskieren.

Eine sehr schöne Aussicht auf Bautzen und Umgebung kann man auf dem Weg in die Gemeinde Sora an der neu errichteten Rasthütte genießen. In Sora wollten wir in der Bergbaude „Schöne Aussicht“ eine Trinkpause einlegen. Doch das Restaurant öffnet erst um 11 Uhr und solange wollten wir nicht warten. Also ging es weiter zum nächsten Etappenziel, dem Großen Picho. Im Biergarten der Picho-Baude legten wir die wohlverdiente Mittagspause ein. Gerade noch rechtzeitig, denn wenige Minuten später rückte eine große Feiergesellschaft ein, die fortan das Servicepersonal in Anspruch nahm.

Ab der Ortschaft Tautewalde wählten wir einen anderen Aufstieg auf den Dahrener Berg, als beim letzten Mal. Der Weg ist etwas länger, aber weniger steil als der Klassiker und wird auch seltener begangen. Er führt zur Felsenburg des Pan Dietrich, einer weiteren Sagenfigur der Oberlausitz. Ihm sind wir nicht begegnet, erlebten dafür aber eine andere Überraschung. Etwa 10 Meter vor uns trat eine Ricke mit zwei Kitzen aus dem Unterholz auf den Wanderweg. Sie hatte uns offensichtlich noch nicht bemerkt, die zwei Kitze aber schon. Die beiden sahen uns an und versuchten, an uns vorbei in den rettenden Wald zu flüchten. Die Ricke flüchtete in die andere Richtung und ließ die Kitze zurück. Wir hörten ihr Bellen, mit dem sie die Kitze rief, die jedoch nicht zu ihrer Mutter flüchteten. Ein Kitz verschwand im Wald, das zweite legt sich etwa 5 Meter vor uns auf den Waldweg. Das war die Gelegenheit für einen Schnappschuss, bevor wir den Stress für die Tiere aufhoben und uns entfernten.

Der weitere Weg führte uns zur Weifaer Höhe mit der ehemaligen Schurigbaude, die sich jetzt im Privatbesitz befindet und nicht öffentlich zugänglich ist. Ab dort ging es auf wiederum wenig begangenen, schmalen Waldpfaden bergab vorbei an der Wanderhütte der Naturfreunde Wilthen, die laut Aushang im Juni und Juli geschlossen ist. Von dort bis zum Bahnhof sind es noch ca. 15 Minuten. Auf dem Bahnhof erwartete uns das leider inzwischen Übliche: „ca. 10 Minuten Verspätung aus vorheriger Fahrt“.

Fazit: Eine immer wieder wunderschöne Tour auf sehr abwechslungsreichen Bergwegen, die wir sicher nicht zum letzten Mal begangen haben.

Hier sind noch einige Schnappschüsse von unterwegs:

Und hier ist eine Übersicht über den Tourenverlauf:

Neue Kammtouren geplant

Die Streckenwanderung auf dem Oberlausitzer Bergweg im Jahr 2025 hat Lust auf mehr gemacht. Deshalb sind in 2026 folgende neue Kammtouren geplant:

  • Über Ostern werden wir eine Woche im tschechischen und polnischen Iser- und Riesengebirge unterwegs sein und neue Routen testen. Selbstverständlich gehören auch Abstecher zum Reifträger und zur Wosseckerbaude dazu. Das Lieblingsquartier in Harrachov ist bereits gebucht.
  • Im Juli testen wir auf einer Streckenwanderung 12 Etappen des Kammweges Erzgebirge-Vogtland. Der Start ist in Geising und das Ziel in Schöneck. Wir werden hauptsächlich auf der sächsischen Seite des Erzgebirges unterwegs sein und jeden Tag in einem anderen Quartier schlafen.
  • Im September ist eine mehrtägige Kammtour im Böhmischen Erzgebirge von einem Standquartier aus geplant.
  • Im Oktober werden wir eine Woche lang vom Standquartier in Krasna Lipa aus Varianten des neuen Kammweges in der Böhmischen Schweiz und im Lausitzer Gebirge unter die Füße nehmen.

Für diese neuen KammTouren entfallen im Gegenzug ursprünglich geplante Touren in der Nationalparkregion Sächsisch-Böhmische Schweiz. Das ist eine Konsequenz aus den ganzjährig andauernden Bauarbeiten der Deutschen Bahn im oberen Elbtal und dem Bau einer Ersatzbrücke in Bad Schandau. Die Arbeiten haben umfangreiche Streckensperrungen und Ersatzverkehr zur Folge. Bisher ist noch kein Saisonfahrplan veröffentlicht und es ist nicht klar, ob erforderliche Umsteigeverbindungen gesichert sein werden. Im Jahr 2025 fielen mehrere Touren infolge verpasster Umstiege zur Nationalparkbahn und zu Bussen in Tschechien aus. Das soll in 2026 vermieden werden.

Frühlingstour am 1. März im Osterzgebirge

Vor wenigen Tagen war es noch winterlich auf dem Erzgebirgskamm. Dann kam die warme Luft und der Schnee schmolz schneller, als er gefallen war. Bis auf wenige Altschneereste und festgetretenes Alteis waren die Wege gut begehbar. Doch von vorn:

Es es immer wieder ein schönes Erlebnis, mal nicht Guide zu sein, sich um nichts kümmern zu müssen und eine Tour einfach als Teilnehmer genießen zu können. Das kommt selten genug vor. Die anspruchsvolle Tour begann am Bahnhof Lauenstein im Osterzgebirge und führte durch den gleichnamigen Ort weiter auf dem Graupenweg. Das war früher der direkte Fußweg in den Ort Graupen in Böhmen (heute: Krupka). Freie Blicke über Bergwiesen und Steinrücken prägen den typischen Landschaftseindruck im Osterzgebirge.

Unser Ziel für die Mittagsrast war das Restaurant auf dem Mückenberg, auch bekannt als „Mückentürmchen“wegen seiner turmähnlichen Bauweise. Gestärkt mit bodenständiger böhmischer Kost und süffigen Getränken zu volkstümlichen Preisen traten wir den Rückweg über Fürstenwalde und Geising an, wo uns der Schienenersatzverkehr nach reichlich 24 km Wanderung auf die Minute pünktlich abholte. Für mich ist diese Tour eine interessante Variante zum neuen sächsischen und alten böhmischen Kammweg. Sie hat viel Potential, z.B. für Kammüberquerungen zwischen Sachsen und Böhmen und ist für die An- und Abreise mit dem ÖPNV perfekt geeignet. Notiz an mich: vormerkt.

Wanderwoche auf dem Oberlausitzer Bergweg im Oktober 2025, Tag 7 und Schluss

(Fortsetzung des Beitrages vom 21.10.2025)

Am letzten Tag der Wanderwoche beruhigte sich das Wetter. Die Sonne setzte sich langsam durch und schenkte uns einen goldenen Herbsttag. Ganz so, als wollte sie sich für ihr Fehlen in den letzten Tagen entschuldigen. Wir nahmen uns für den Abschlusstag vor, von der geplanten Route kreativ abzuweichen und soviel wie möglich Panoramaaussichten aufzusuchen. Den Weg durch die Felsengasse zur Töpferbaude mussten wir uns mit den Läuferinnen und Läufern des Oybiner Ultratrails teilen. Beeindruckend, wie leichtfüßig die Meisten in dem anspruchsvollen Gelände unterwegs waren!

Auf der Böhmischen Aussicht konnten wir zum ersten Mal in dieser Woche das Isergebirge erkennen. Die Aussicht war echt grandios. Auch die Landeskrone bei Görlitz und weitere markante Erhebungen waren zu erkennen. So hatten wir uns das für die ganze Woche gewünscht und wenigstens am letzten Tag ging der Wunsch in Erfüllung.

Nach dem Abstieg vom Töpfer – Baude und Imbiss hatten geöffnet – wurde das Streckenprofil deutlich flacher. Unser vorletztes Ziel vor der alten Handelsstadt Zittau war der Dreiländerpunkt.

Hier grenzen seit 1945 Deutschland, Polen und Tschechien aneinander. Auf Grundlage des Potsdamer Vertrages wurden damals die Ostgrenzen Deutschlands nach Westen verschoben und der symbolträchtige Ort blieb bis 1989 weitgehend unzugänglich. Am Tag des Beitritts Tschechiens und Polens zur Europäischen Union und zum Schengen-Raum wurde am Dreiländerpunkt ein trinationales Volksfest gefeiert. Gegenwärtig bemühen sich die Städte Hrádek nad Nisou, Zittau und Bogatynia um den Bau einer Kreisbrücke direkt über der Neisse. Am Dreiländerpunkt endet gleichzeitig auch der zertifizierte Teil des Oberlausitzer Bergweges. Abgerundet wurde unsere Wanderwoche mit einer kleinen Stadtwanderung durch Zittau.

Als Fazit kann festgehalten werden: Der Oberlausitzer Bergweg hat viel Erlebnispotential. Wege und Landschaften sind abwechslungsreich und können durch die Verknüpfung mit anderen vorhandenen Themen- und Ringwegen noch ergänzt werden. Die Menschen in der Region bleiben uns sehr gastfreundlich und hilfsbereit in Erinnerung. Diese Wanderwoche werden wir so schnell nicht vergessen und sicher waren wir auch nicht zum letzten Mal in der Oberlausitz unterwegs.

Wanderwoche auf dem Oberlausitzer Bergweg im Oktober 2025, Tag 6: Von Waltersdorf nach Kurort Oybin

(Fortsetzung des Beitrags vom 21.10.2025)

Da der Oberlausitzer Bergweg zwischen Waltersdorf und Jonsdorf wegen der Waldkalkung abschnittsweise ebenfalls gesperrt war, gingen wir auf dem Cottaweg weiter. Das war eine gute Entscheidung, denn dieser Weg verläuft immer auf der Grenzlinie zwischen Deutschland und Tschechien und ist viel abwechslungsreicher, als der offizielle Weg. Am einstigen Grenzübergang an der „Wache“ sahen wir uns zwei nahe beieinander stehende Gedenksteine bzw. -tafeln an: auf der tschechischen Seite die Erinnerung an die tschechoslowakischen Verteidiger des Grenzlandes gegen die sudetendeutschen Freikorps 1938 und auf der deutschen Seite die Erinnerung an die Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus dem Sudetenland nach 1945. Das Eine hatte das Andere zur Folge. Beides darf sich nicht wiederholen, niemals und nirgends.

Wir folgten dem Grenzweg im stetigen Auf und Ab vorbei am Falkenstein und den Rabensteinen, der Jonsdorfer Felsengasse und dem Schwarzen Loch. Nach dem Ortsteil Hain begann der Aufstieg auf den Berg Hochwald. Der schönste Weg hinauf ist zugleich der wahrscheinlich steilste: immer entlang der Grenze über die Blockhalde bis zum Gipfelkreuz an der Hochwaldbaude.

Die Baude hatte geöffnet und einer Bergrast stand somit nichts im Wege. Hausmannskost und frisch gezapftes Bier kamen gerade recht. Solchermaßen gestärkt genossen wir anschließend die immer besser werdende Fernsicht und statteten noch dem Hochwaldturm einen Kurzbesuch ab, bevor wir ins Kammloch ab- und nach Oybin wieder aufstiegen. Nach ca. 15 km war die kürzeste Etappe des Oberlausitzer Bergweges geschafft. Wir empfanden sie als die bisher schönste.

(Fortsetzung folgt)

Wanderwoche auf dem Oberlausitzer Bergweg im Oktober 2025, Tag 5: Von Eibau nach Waltersdorf

(Fortsetzung des Beitrags vom 21.10.2025)

Heute sollte es trocken bleiben, versprachen mehrere Wetterapps übereinstimmend. Das weckte Vorfreude, immerhin sollte es auf die Lausche gehen, mit 792,6 m über NN höchster Berg im Zittauer Gebirge und im gesamten Lausitzer Gebirge sowie die höchste Erhebung in Deutschland östlich der Elbe. Und die Distanz über ca. 24 bergige Kilometer war ebenfalls eine Herausforderung. Am Ende des Tages kam alles etwas anders, als geplant.

Die Route führte zunächst aus Eibau heraus und vorbei an den Bleichteichen zur Böhmischen Enklave Niederleutersdorf. Dieses Gebiet gehörte ab 1635 zum Land Böhmen. Erst 1849 wurden die Schlagbäume wieder abgesägt und die Ex-Enklave gehörte nun zu Sachsen.

Nächstes „Highlight“ an der Strecke war der sogenannte „Goethekopf“, eine skurrile Basaltformation. Es gehört schon eine gehörige Portion Phantasie dazu, darin den Kopf des Meisters zu erkennen. Manche haben sie, manche nicht.

Egal, weiter ging es zum „Weißen Stein“, wo der Sage nach die Räuberbande eines gewissen Herrn Karasek ihr Unwesen getrieben und einen Schatz versteckt haben soll. Den fanden wir zwar nicht, legten aber am Rastplatz eine Picknickpause ein. Frisch gestärkt ging es weiter in das Textildorf Großschönau mit seinen vielen beeindruckenden Umgebindehäusern und dem Deutschen Damast- und Frottiermuseum.

Bei Neuschönau näherten wir uns immer mehr der tschechischen Grenze und konnten bereits das Tagesziel, die Lausche, sehen.

Wir sahen (und hörten) aber noch etwas anderes: Hubschrauber über dem Waldgebiet zwischen Weberberg und Lausche. Dort wurde der Wald aus der Luft gekalkt und dafür waren alle Wald- und Wanderwege zwischen Weberberg und Lausche gesperrt. Wir nahmen drei Anläufe, um vielleicht doch noch irgendwo ein Schlupfloch zum Kammweg zu finden – vergebens! Alle gangbaren Wege führten schließlich talnah in den Erholungsort Waltersdorf, wo wir unser nächstes Nachtquartier erreichten: die „Sonnebergbaude“.

(Fortsetzung folgt)

Wanderwoche auf dem Oberlausitzer Bergweg im Oktober 2025, Tag 4: Von Schönbach nach Eibau

(Fortsetzung des Beitrags vom 21.10.2025)

Am vierten Tourentag stand erneut eine Etappe mit wechselhaftem Wetter bevor. Die äußeren Bedingungen waren unwirtlich und die Wege aufgeweicht. Unser Tagesziel, das Biohotel auf dem Beckenberg in Eibau, sollten wir nach knapp 23 km durchnässt erreichen. Dort wurden wir schon erwartet und sehr angenehm überrascht. Das Hotel bietet gastronomisches Spitzenniveau und im Außenbereich sehenswerte, kunstvoll gestaltete Holzskulpturen!

Im steten Wechsel von Offenland und Wald führte der gut markierte Wanderweg ab Schönbach u.a. vorbei an der Waldhütte am Alten Teich, dem Museum „Reiterhaus“ in Neusalza-Spremberg und an der Gemeinde Kottmarsdorf mit ihrer weithin sichtbaren Bockwindmühle zur höchstgelegenen Spreequelle am Berg Kottmar. Auf dem Sagenweg zum Berggipfel informieren Schautafeln über Sagen und Legenden der Region, darunter auch über die angebliche Entstehung der Spreequelle. Sagenhaft!

Bevor wir zum Gipfel aufstiegen, statteten wir noch der alten Skisprungschanze am Kottmar einen Besuch ab. Man mag es kaum glauben, aber einst gab es noch richtige Winter mit viel Schnee in der Oberlausitz. Sonst hätte man sicher die Sprungschanze nicht gebaut. Bei unserem Besuch begegneten wir aber immerhin einer Gruppe junger Sportler, die mit Rollski Langlauf rund um den Kottmar trainierten. Der Ski-Club Kottmar und mit ihm die Oberlausitzer Wintersporttradition leben also weiter.

Der Gipfelbereich des Kottmar hielt eine Enttäuschung bereit. Die Bergbaude neben dem 1881 vom Gebirgsverein Lusatia erreichteten Aussichtsturm steht schon seit Jahren leer und ist dem Verfall preisgegeben. Sehr schade, denn der Ort zieht immer noch viele Besucher an. Sogar bei diesem miesen Wetter sind wir mehreren Wanderern begegnet! Neben dem Aussichtsturm befindet sich eine Säule der ehemaligen königlich-sächsischen Triangulation. Auch daraus ließe sich sicher mehr machen.

(Fortsetzung folgt)

Wanderwoche auf dem Oberlausitzer Bergweg im Oktober 2025, Tag 3: Von Sohland nach Schönbach

(Fortsetzung des Beitrages vom 21.10.2025)

Nach einem wiederum ausgiebigen Frühstück und mit dem individuellen Lunchpaket im Gepäck verabschiedeten wir uns von unserer freundlichen Gastgeberin im „Waldschlößchen Hotel Sohland“. Sie gab uns noch einige Tipps zu Sehenswertem im Ort mit und lud zu einem weiteren Besuch ein. Vorbei an der imposanten Kirche und dem Eisenbahnviadukt führte uns der Weg zum Wahrzeichen Sohlands, der Himmelsbrücke. Sie wurde im Jahr 1796 solide aus Gestein der Umgebung erbaut, steht immer noch und kann unbeschadet überquert werden.

Der Ort hat wenige hundert Meter weiter noch eine Attraktion: den Stausee der Spree. Danach geht es stetig aufwärts bis zu den Kälbersteinen.

Die Kälbersteine sind ein mystischer Ort und Teil der sogenannten „Sonnenpfade“ entlang der Gemeinden Sohland, Wehrsdorf und Taubenheim. Namen von Felsgebilden wie „Thors Hammer“, „Odins Zeigefinger“ oder „Zwergenpyramide“ deuten sogenannte „Sonnenheiligtümer“ an, die bei einem bestimmten Sonnenstand von der Sonne „durchschienen“ werden. Insgesamt sollen es über vierzig Objekte sein, denen eine kalenderastronomische Funktion nachgesagt wird und die zu einem vom Freistaat Sachsen und der EU geförderten Tourismusprojekt gehören.

Dem Abstieg von den Kälbersteinen folgten verzweigte Waldwege durch nasses Gras und aufgeweichten Boden, der durch vorangegangene Mountainbikenutzung und Reitausflüge besonders matschig und unwegsam geworden war. Bis zu diesem Punkt war es noch kein richtiger Regen, der uns kontinuierlich durchnässte, sondern eher Geniesel aus aufliegenden Wolken. Während des Aufstiegs zum legendären Berg Bieleboh änderte sich das. Oben angekommen goß es wie aus Eimern. Zum Glück fanden wir ein trockenes Plätzchen unter einem vorstehende Dach, einen Tisch und ein paar Stühle für die Mittagspause aus dem Rucksack. Nur mit der Fernsicht vom Berg war es echt schwierig geworden. Es gab sie schlicht nicht. Auch die Bergwirtschaft hatte, wie manch andere Einkehrmöglichkeit, planmäßig geschlossen. Verpflegung aus dem Rucksack ist unter solchen Umständen erste Wahl. Auf jeden Fall blieb uns genügend Zeit, über den Ursprung der Namensgebung für den Bieleboh zu sinnieren. Er stammt aus dem Sorbischen, bedeutet soviel wie „Weißer Gott“ und steht im Kontrast zum unweit gelegenen Berg Czorneboh, was soviel wie „Schwarzer Gott“ bedeuten soll. Bei soviel Gottheit hätte eigentlich die Sonne scheinen müssen. Eigentlich.

Nach dem langen Abstieg vom Bieleboh näherten wir uns dem nächsten Quartier in der Ortschaft Schönbach, dem Hotel und Gasthof „Kretscham“. Der Name stammt ebenfalls aus dem Sorbischen und bedeutet soviel wie „Kneipe“ oder „Gasthof“. Kretschams waren zugleich auch Orte der Dorfgerichtsbarkeit. Aus der Funktion wurden Nachnamen wie Kretzschmar, Kretschmer oder Kretzschmann abgeleitet. Schönbachs Kretscham öffnete wegen Personalmangels erst 17:00 Uhr und wir hätten noch etwa 2 Stunden im Regen draußen herumstehen müssen. Es gelang jedoch, Jemanden herauszuklingeln, der uns einließ und uns den Zimmerschlüssel in die Hand drückte. Das sehr schmackhafte Abendessen gab es dann aber erst ab 18:00 Uhr. Die Frage, die wir uns nach reichlich 5 Stunden Gehzeit und ca. 18 nasskalten Kilometern stellten, war: Werden unsere Schuhe und Sachen bis zum nächsten Morgen wieder getrocknet sein?

(Fortsetzung folgt.)