Kategorie: Krkonoše

Erinnerungen an zwei Wanderwochen im Riesen- und im Isergebirge 2024, Tag 5: Alte Schlesische Baude & Elbquelle

Weil es so schön war, sollte die Kammüberquerung von Szklarsa Poreba/Schreiberhau nach Harrachov/Harrachsdorf wieder mit einer Bahnfahrt beginnen. Auf die Minute pünktlich startete der Zug der Ceske Drahy nach Skzarska Poreba Gorna und die Fahrt war eine super Einstimmung auf die kommende Tour. Rund 700 Höhenmeter waren im Auf- und Abstieg zu bewältigen und der Aufstieg kam uns endlos vor. Es war heiß und schwül und erst auf dem Kamm bewegten sich die Temperaturen einigermaßen im Wohlfühlbereich. Hinzu kam der erneute Weg durch das baustellengeplagte Szklarska Poreba/Schreiberhau bis zum Einstieg in den Bergweg an der Ameisenbank. Dann aber wurde es eine richtig schöne Bergtour, nur kurz unterbrochen von der unschönen Ticketpflicht für den polnischen Nationalpark. 5 Zloty pro Person (= ca. 1,20 €), ein eher symbolischer Preis, waren zu entrichten. Zahlbar in polnischer Währung oder per Karte. Man ist also gut beraten, sich in Schreiberhau am Bankautomaten einen Handbetrag in Zloty abzuheben oder eine Bezahlkarte mitzunehmen. Euro oder tschechische Kronen werden nicht akzeptiert; eine polnische Eigenheit. Auf der tschechischen Seite der Grenze gibt es keine Eintrittsgebühren und man akzeptiert auf den meisten Bauden die polnische und die gemeinsame europäische Währung. Allerdings meist zu einem für den Anbieter sehr vorteilhaften Umrechnungskurs. Sozusagen Trinkgeld inklusive.

Nach etwa anderthalb Stunden war die Alte Schlesische Baude erreicht. Eine Pause mit gut gekühlten Erfrischungsgetränken und kostenloser Panoramaaussicht über den niederschlesischen Gebirgsteil und das Hirschberger Tal sollte man sich nicht entgehen lassen, auch wenn die Preise auf polnischen Bauden deutschen Gaststättenpreisen immer näher kommen. Die letzten Meter im Aufstieg zur Elbwiese erforderten nochmal etwas Motivation, aber dann wurde es einfach nur noch schön und aussichtsreich. Auf dem Weg zur ausgetrockneten Elbquelle fielen uns die vielen abgestorbenen Latschenkiefern auf. Das war bei unserer Tour im vergangenen Jahr noch nicht der Fall. Offensichtlich leiden viele Pflanzen auf der Elbwiese unter dem Mangel an Regen und der starken Verdunstung infolge langanhaltender Hitzeperioden. Die damit verbundene erhöhte Waldbrandgefahr treibt auch die tschechische Nationalparkverwaltung um. Auf dem Abstieg zur Wosseckerbaude begegneten wir einer gemeinsamen Streife von Nationalparkrangern und tschechischer Polizei. Das kennen wir aus der Nationalparkregion Sächsisch-Böhmische Schweiz. Im Riesengebirgs- Nationalpark haben wir es erstmals erlebt.

Immer wieder schön und erholsam ist auch der gemächliche Abstieg von der Wosseckerbaude vorbei an Rübezahls Frühstücksplatz und entlang der Mumlava/Mummel mit ihrem bernsteinfarbenen, kristallklaren Wasser, das zum Baden einlädt.

Fazit: Eine erlebnisreiche Tour, anstrengend im Aufstieg, zum Seelebaumeln geeignet auf der Kammhöhe und zum Genießen im Abstieg!

Erinnerungen an zwei Wanderwochen im Riesen- und im Isergebirge 2024, Tag 4:  ‎Szklarska Poręba & Zackelfall

Der Wunsch nach einem Besuch in Szklarska Poreba/Schreiberhau auf der niederschlesischen Seite des Riesengebirges bestand schon länger, wurde aber immer wieder verworfen. Diesmal sollte es jedoch klappen. Die Zugverbindung von Harrachov/Harrachsdorf nach Szklarska Poreba/Schreiberhau ist ideal geeignet, schnell und preiswert. Die Fahrzeit beträgt ca. 25 Minuten und der Preis pro Person 60 Tschechische Kronen (= ca. 2,40 EUR). Die Züge sind auf die Minute pünktlich und die Schaffner von erlesener Freundlichkeit. Fahrkartenkauf im Zug ist eine Selbstverständlichkeit und wenn man Wert darauf legt, erhält man die Fahrkarte auch zum Tarif 65+ für einen reduzierten Preis. Die Deutsche Bahn sollte ihre Führungskräfte und Zugbegleiter zum Praktikum bei der Tschechischen Bahn delegieren.

In Szklarska Poreba/Schreiberhau angekommen, stehen für weiterreisende Fahrgäste schon der Regionalzug der Niederschlesischen Eisenbahn nach Wroclaw/Breslau und der Schnellzug nach Warzawa/Warschau bereit. Auch auf polnischer Seite sind alle Züge sauber, pünktlich und der Ablauf ist wohlorganisiert. Beeindruckend!

Auf dem Weg zum Zackelfall müssen wir innerorts mehrere Baustellen passieren. Es geht eng und laut zu und über den Arbeitsschutz schweigt des Chronisten Höflichkeit. Unterwegs gewinnen wir zunehmend den Eindruck, Teil einer Prozession zu sein. Hunderte, Tausende scheinen das gleiche Ziel „Zackelfall“ zu haben. Am Eingang zum Kassenhäuschen hat sich schon eine ellenlange Warteschlange gebildet. Wir beschließen, auf den kostenpflichtigen Eintritt zu verzichten und fotografieren den Zackelfall von oben durch ein Absperrgitter. Während der folgenden Pause in einer urigen Hütte fällt ein altes Radio auf: produziert im Sachsenwerk Dresden-Niedersedlitz – vermutlich ein Beutestück aus der Zeit der Vertreibung. Für den Rückweg zum Bahnhof wählen wir bewusst eine andere, menschenarme Route durch den polnischen Riesengebirgsnationalpark. Ein Nationalpark sollte kein Rummelplatz sein!

Fazit: Szklarska Poreba/Schreiberhau, wir kommen wieder! Aber definitiv nicht zum Zackelfall!

Hier ist eine Übersichtskarte des Ortes:

Erinnerungen an zwei Wanderwochen im Riesen- und im Isergebirge 2024, Tag 2: Alter Wossecker Weg

Nach dem Ortsrundgang am Ankunftstag mit Erkundung von Einkaufsmöglichkeiten, touristischen Fahrplänen, Bankautomaten und empfehlenswerten Restaurants (Dabei halfen unsere freundlichen Gastgeber mit Spezialtipps!) begann die eigentliche Wanderreise am 2. Tag mit einer schon traditionellen Tour: Durch das Mummeltal und auf dem alten Wossecker Weg zur Wossecker Baude und weiter zum Reifträger. Der alte Wossecker Weg ist sowohl in aktuellen tschechischen als auch in historischen deutschen Wanderkarten des ehemaligen Riesengebirgsvereins ausgewiesen. Begangen werden darf er allerdings nur noch im unteren Teil bis zur Querung der Radtrasse. Der obere, viel wildere Teil befindet sich in den Zonen 1 und 2 des Nationalparks, ist nicht mehr markiert und darf nicht mehr betreten werden. Schade, aber wir respektieren das zum Schutz der einzigartigen Riesengebirgsnatur. Der Umweg auf der Radtrasse führte uns zum deutlich weniger attraktiven Normalaufstieg und schließlich zur verdienten Pause an der Wossecker Hütte. Dort wird z.Z. angebaut und das Dach repariert. Weiter ging es schließlich auf markiertem Weg zum Reifträger/Szrenica mit seiner aus nahezu allen Himmelsrichtungen sichtbaren Baude im niederschlesischen (polnischen) Teil des Gebirges. Seitdem eine Seilbahn auf polnischer Seite Menschen auf den Berg transportiert, ist diese Baude permanent überfüllt. Wir haben sie deshalb auch diesmal wieder gemieden. Auf dem Rückweg kehrten wir dafür am Imbiss bei Rübezahls Frühstücksplatz ein und genossen gut gekühlte Hopfenkaltschale aus der Rübezahlbrauerei Trutnov/Trautenau (Pivovar Krakonoš), bevor wir die letzten 6 km bis zu unserem Quartier unter die Füße nahmen. Fazit: eine immer wieder lohnenswerte Eingehtour!

(Fortsetzung folgt!)

Erinnerungen an zwei Wanderwochen im Riesen- und im Isergebirge 2024, Tag 1: Ankunft in Harrachov

Es lockt immer wieder, das Riesengebirge! Nachdem wir in den vergangenen Jahren mehrmals im Ostriesengebirge zwischen Sněžka/Schneekoppe und Žacléř/Schatzlar, im zentralen Teil um Špindlerův Mlýn/Spindlermühle und im westlichen Bereich um Rokytnice nad Jizerou/Rochlitz an der Iser unterwegs waren, entschieden wir uns diesmal für Harrachov/Harrachsdorf als Standquartier. Der Ort ist von Dresden aus gut mit dem Zug via Liberec/Reichenberg zu erreichen, bietet genügend Quartiere für jeden Geldbeutel und Geschmack und verfügt über sehr gute innertschechische und grenzüberschreitende Verkehrsanbindungen für Wanderungen im böhmischen und schlesischen Iser- und Riesengebirge. Und genau darum ging es uns: Kammtouren grenzüberschreitend in Polen und Tschechien, ohne lange Anfahrten und möglichst vom Standquartier aus.

Innerhalb der zwei Wanderwochen absolvierten wir 12 Tagestouren zwischen 18 und 23 km Länge und 2 „Ruhetage“ mit Kurztouren unter 15 km Länge. Das Wetter war stabil und hochsommerlich. Von Regen blieben wir verschont und zum Glück auch von Gewittern. Wir hatten ein Topquartier mit ebenerdiger Terasse, Frühstück an die Tür und sehr gastfreundlichen Pensionsbetreibern. Als Zugabe an heißen Tagen gab es direkt am Grundstück Abkühlung im kristallklaren Wasser des kleinen Flüßchens Kamenice, das wenige hundert Meter talwärts in die Iser mündete. Alles in allen fanden wir ideale Rahmenbedingungen für unser Wanderprojekt vor. Darüber soll hier in loser Folge berichtet werden.

(Fortsetzung folgt!)

Historischer Kammweg wird wieder belebt

Dieser Beitrag knüpft an den Beitrag vom 05.01.2024 an. Darin ging es um die Historie des alten böhmischen Kammweges und wie daraus die Idee für das Wanderprojekt kammtouren.eu entstand.

Jetzt machen wir einen Zeitensprung.

Der alte Kammweg war zwar fast 70 Jahre unsichtbar, aber völlig verschwunden war er nie. Im Riesengebirge gab es ihn nach 1945 auf dem traditionellen Verlauf als „Weg der tschechisch-polnischen Freundschaft“. Diese Freundschaft bezog nicht unbedingt wandernde DDR- Bürger ein. Wer z.B. die Schneekoppe von der tschechoslowakischen Seite kommend besteigen und an der Schlesischen Baude auf die polnische Seite wechseln wollte, wurde nicht selten von Grenzsoldaten daran gehindert. Tschechen und Slowaken durften, was DDR- Deutschen verwehrt blieb. Das ist Geschichte; heute interessiert sich niemand mehr für den Grenzverlauf. Europa lebt auch im Riesengebirge. Umfangreich zusammengefasst ist das inzwischen tschechisch-polnische Projekt auf der Webseite Hrebrenovka. In sehr informativen Beiträgen und Youtube- Videos werden Abschnitte des Kammweges und der Riesengebirgslandschaft in den Regionen Reichenberg/ Liberec, Königsgrätz/ Hradec Králové, Pardubitz/ Pardubice und Olmütz/ Olomouc bis zum Altvater/ Praděd und auf der niederschlesischen Seite in Polen vorgestellt. Das Projekt  „Tschechisch-Polnische Hřebenovka – Östlicher Teil“ Reg. Nr. CZ.11.2.45/0.0/0.0/16_025/0001254 wurde  im Rahmen des grenzüberschreitenden Kooperationsprogramms Interreg VA Tschechische Republik – Polen 2014 – 2020 umgesetzt.

Der westliche Teil des alten böhmischen Kammweges befindet sich überwiegend auf dem Gebiet der Aussiger Region/ Ústecký kraj. Er führt von Ost nach West – oder in der Gegenrichtung – durch das Isergebirge/ Jizerské hory, das Lausitzer Gebirge/ Lužické hory, die Böhmische Schweiz/ České Švýcarsko und das Erzgebirge/ Krušnohoří. Zahlreiche Abschnitte sind neu markiert und teilweise umverlegt worden. Der Streckenverlauf im Böhmischen Erzgebirge soll laut Klub Tschechischer Touristen/ Klub českých turistů, kurz KČT, im Verlaufe des Jahres 2024 vollständig fertiggestellt und mit dem traditionellen blauen Kammwegzeichen markiert sein.

Wir sind neugierig auf das Ergebnis und entschlossen, ein tolles Wandererlebnis daraus zu machen.