Schlagwort: Böhmische Lausitz

Erinnerung an eine Kammtour von Jedlova nach Krasna Lipa

Im vergangenen Jahr stand sie schon einmal auf dem Plan: die Kammtour von Krasna Lipa (deutsch: Schönlinde) nach Jedlova (deutsch: Tannenberg). In Rybniště (deutsch: Teichstatt) mussten wir jedoch den Plan aufgeben, weil auf der Bahnstrecke Schienenersatzverkehr eingerichtet und der Bahnhof Jedlova nicht von Bussen angefahren wurde. In diesem Jahr funktionierte die An- und Abreise via Ebersbach und Rumburk reibungslos.

Beim Start am Bahnhof Jedlova lagen die Wolken noch auf dem Gipfel des gleichnamigen Berges auf. Da Wetterbesserung vorhergesagt war, entschieden wir uns, zuerst die Burgruine Tolštejn (deutsch: Tollenstein) aufzusuchen. Der Tollenstein war vor einigen Jahren Namensgeber eines grenzüberschreitenden touristischen Projektes in Sachsen und Nordböhmen, der Tollensteiner Herrschaft (tschechisch: Tolštejnské panství). Leider scheint das Projekt nicht mehr fortgesetzt zu werden. Zumindest war nirgendwo Werbung dafür zu entdecken.

Vom Tollenstein begaben wir uns zum Aufstieg auf den Tannenberg. Wir wählten dafür einen schmalen Weg durch die Bergflanke und über Blockgestein, der in keinem Wanderführer beschrieben wird. Oben angekommen fanden wir uns in den Wolken wieder. Als wir jedoch die Bergbaude nach kurzer Rast wieder verließen, hatte sich die Sonne durchgesetzt und wir konnten die zauberhafte Landschaft des Lausitzer Gebirges genießen. Auf dem Weg nach Jiřetín pod Jedlovou (deutsch: Sankt Georgenthal) passierten wir den renovierten Kreuzweg auf dem gleichnamigen Berg.

Der „Rest“ des mit dem blauen Kamm markierten Weges hatte mit einem Kammweg nicht mehr viel gemeinsam. Er führte größtenteils talnah über Wiesen, Wälder und durch Ortschaften bis nach Krasna Lipa (deutsch: Schönlinde). Deshalb wird hier auf eine nähere Beschreibung dieses Abschnittes verzichtet.

Abschließende Höhepunkte waren die Schlusseinkehr im Brauereigasthof „Falkenstejn“ in Krasna Lipa und die Punktlandung des tschechischen Linienbusses am Bahnhof Ebersbach. Als wir den Bahnsteig betraten, fuhr schon der Zug nach Dresden ein. Wir hätten keine Minute später ankommen dürfen. Touren wie diese behält man wahrscheinlich für ewige Zeiten im Gedächtnis.

Wanderwoche auf dem Oberlausitzer Bergweg im Oktober 2025, Tag 2: Von Neukirch West nach Sohland

(Fortsetzung des Beitrags vom 21.10.2025)

Nach dem ausgiebigen Frühstück im „Evabrunnen“ und ausgestattet mit einem umfangreichen Lunchpaket starteten wir in den zweiten Tag. Dazu mussten wir zunächst wieder bis zum Bahnhof Neukirch West fahren. Da die Tour mit ca. 16 km kürzer sein würde als an Tag 1, entschieden wir uns für den etwas späteren Trilex 10:37 Uhr und nutzten die Zeit bis dahin für einen Stadtrundgang durch Bischofswerda. Auf den ersten Blick mutet die Stadt wie eine „Graue Maus“ an. Doch wenn man sich auf sie einlässt, offenbart sie erstaunliche bauliche und stadtgestalterische Schätzchen. Uns hat jedenfalls gefallen, was wir sahen.

Am Bahnhof Neukirch West startete kurz nach 10.45 Uhr der Aufstieg auf den sagenumwobenen Valtenberg. Angeblich sollen dort nächtens Querxe (Erdgeister) Kegel schieben und Wanderer mit den Kugeln beschenken, der wilde Pan Dietrich durch die Wälder jagen und sieben verwunschene Ritter erlöst worden sein. Gesehen haben wir davon nichts. Vielleicht lag es daran, dass wir mit straffem Schritt nach 45 Minuten oben anlangten und nur eine kurze Pause machten. Mehr bot sich auch nicht an. Die Valtenbergbaude ist weiterhin nicht bewirtschaftet und der Anbau für einen Imbiss hatte planmäßig geschlossen.

Weiter ging es vorbei an der Wesenitzquelle, wo angeblich einst Gold gefunden wurde und über Waldwege zum „Waldhaus“. Dort urlaubte man und so zog es uns weiter zum böhmischen Nordkap, dem nördlichsten Punkt der Tschechischen Republik. Ab da verlief der Weg immer entlang der Grenze zwischen Sachsen und Böhmen. Mal hier, mal da und mal dort, sehr abwechslungsreich.

Vor dem Abstieg nach Sohland unternahmen wir noch einen Abstecher zur Prinz-Friedrich-August-Höhe. Beim letzten Besuch war die dortige Baude nicht bewirtschaftet. Erfreulicherweise ist sie es jetzt wieder, wie uns freundliche Handwerker vor Ort bestätigten. Leider nur von Donnerstag bis Sonntag, also nicht für uns am Montag.

Ersatzweise genossen wir den Abstieg nach Sohland, das über eine erstaunliche Länge und Breite verfügt. Wie man uns im Quartier versicherte, sollte Sohland aufgrund seiner beachtlichen Einwohnerzahl einst das Stadtrecht verliehen werden. Doch daraus wurde nichts, weil die Menschen in fünfzehn, weit verstreuten Ortschaften und Ortsteilen, genannt „Zippeln“ lebten. Dafür hat Sohland jetzt den einmaligen „Fünfzehn-Zippel-Wanderweg“. Und noch einiges mehr, wie wir am nächsten Tag erleben konnten.

(Fortsetzung folgt.)

Die erste Anmeldung 2025 ist da!

Das ging ja fix: Am 1. Januar wurden die Touren zur Anmeldung freigegeben und am 7. Januar ging die erste Anmeldung für eine geführte KammTour am 30.08.2025 ein! So kann es gern weitergehen.

Veranstalter dieser Tour ist die Sektion Dresden des Deutschen Alpenvereins und ich werde sie führen. Die konditionell anspruchvolle Tour über ca. 22 km, +730/-700 Hm und eine Gehzeit von ca. 7,5 Stunden führt unter anderem zum Studenec/ Kaltenberg. Sie beginnt in Vysoka Lipa/ Hohenleipa und endet in Ceska Kamenice/ Böhmisch Kamnitz.

Zur Anmeldungen geht es hier entlang: https://www.dav-dresden.de/touren-kurse/touren/touren?view=tour&id=4177 .

Historischer Kammweg wird wieder belebt

Dieser Beitrag knüpft an den Beitrag vom 05.01.2024 an. Darin ging es um die Historie des alten böhmischen Kammweges und wie daraus die Idee für das Wanderprojekt kammtouren.eu entstand.

Jetzt machen wir einen Zeitensprung.

Der alte Kammweg war zwar fast 70 Jahre unsichtbar, aber völlig verschwunden war er nie. Im Riesengebirge gab es ihn nach 1945 auf dem traditionellen Verlauf als „Weg der tschechisch-polnischen Freundschaft“. Diese Freundschaft bezog nicht unbedingt wandernde DDR- Bürger ein. Wer z.B. die Schneekoppe von der tschechoslowakischen Seite kommend besteigen und an der Schlesischen Baude auf die polnische Seite wechseln wollte, wurde nicht selten von Grenzsoldaten daran gehindert. Tschechen und Slowaken durften, was DDR- Deutschen verwehrt blieb. Das ist Geschichte; heute interessiert sich niemand mehr für den Grenzverlauf. Europa lebt auch im Riesengebirge. Umfangreich zusammengefasst ist das inzwischen tschechisch-polnische Projekt auf der Webseite Hrebrenovka. In sehr informativen Beiträgen und Youtube- Videos werden Abschnitte des Kammweges und der Riesengebirgslandschaft in den Regionen Reichenberg/ Liberec, Königsgrätz/ Hradec Králové, Pardubitz/ Pardubice und Olmütz/ Olomouc bis zum Altvater/ Praděd und auf der niederschlesischen Seite in Polen vorgestellt. Das Projekt  „Tschechisch-Polnische Hřebenovka – Östlicher Teil“ Reg. Nr. CZ.11.2.45/0.0/0.0/16_025/0001254 wurde  im Rahmen des grenzüberschreitenden Kooperationsprogramms Interreg VA Tschechische Republik – Polen 2014 – 2020 umgesetzt.

Der westliche Teil des alten böhmischen Kammweges befindet sich überwiegend auf dem Gebiet der Aussiger Region/ Ústecký kraj. Er führt von Ost nach West – oder in der Gegenrichtung – durch das Isergebirge/ Jizerské hory, das Lausitzer Gebirge/ Lužické hory, die Böhmische Schweiz/ České Švýcarsko und das Erzgebirge/ Krušnohoří. Zahlreiche Abschnitte sind neu markiert und teilweise umverlegt worden. Der Streckenverlauf im Böhmischen Erzgebirge soll laut Klub Tschechischer Touristen/ Klub českých turistů, kurz KČT, im Verlaufe des Jahres 2024 vollständig fertiggestellt und mit dem traditionellen blauen Kammwegzeichen markiert sein.

Wir sind neugierig auf das Ergebnis und entschlossen, ein tolles Wandererlebnis daraus zu machen.

Führen Kammtouren immer nur oben entlang?

Wie im vorigen Beitrag erwähnt, geht der Begriff „Kammweg“ auf den 1902 und in Folgejahren angelegten Fernwanderweg durch Nordböhmen und Teile Sachsens und Niederschlesiens zurück. Der vierzinkige Kamm wurde zum Erkennungszeichen und zur Markierung eines Weges, der nicht nur auf den obersten Kammlinien ausgewählter Mittelgebirge verlief. War das im Erzgebirge und im Riesengebirge aufgrund der flächenmäßigen Ausdehnung der Kammregionen noch möglich, verliefen jedoch andernorts viele Abschnitte in einem steten Wechsel von Auf und Ab. Übergänge von Erz- zu Elbsandsteingebirge oder über die vulkanischen Kegelberge bis zum Jeschken sind nur durch Geländesenken möglich. Die unterschiedliche Topografie machte den historischen Kammweg so abwechslungs- und erlebnisreich. Die Macher orientierten sich bei der Wegeanlage zunächst vor allem an herausragenden Landmarken der durchwanderten Gebirge. Nach und nach wurde zusätzlich zu den markierten Wegen eine erweiterte touristische Infrastruktur in Form von Aussichtstürmen, Berggaststätten und Bauden geschaffen, von der wir heute noch profitieren. Ein gutes Beispiel für Nachhaltigkeit, wenn auch historisch bedingt nicht ökologisch motiviert.

Um auf die in der Überschrift gestellte Frage zurückzukommen: Nein, die neuen Kammtouren.eu führen nicht nur „oben“ entlang. Dort wo es sich anbietet, geht es selbstverständlich auf die Gipfel hinauf oder auf Panoramawegen über ausdehnte Kammflächen mit und ohne grandiose Fernsichten. Es wird aber im Auf und Ab auch Tal-, Fluss- und Klammabschnitte geben. Zum Start der Wandersaison stehen zunächst 44 Touren mit einer Gesamtdistanz von 863 km, über 297 Stunden Gehzeit und mehr als 23.000 zu absolvierenden Höhenmetern bereit.

Das ist noch nicht der volle Angebotsumfang, sondern lediglich der Anfang. Auch können leider nicht sofort alle geplanten Touren ausgeschrieben werden. Der Terminmangel lässt es nicht zu. Es ist aber nicht ausgeschlossen, im Laufe des Jahres jeweils 30 Tage vor Tourbeginn weitere Touren online zu stellen.

Die zusammengefassten Tourenparameter lassen erahnen, dass die Touren konditionell anspruchsvoll sind und ein gewisses Zeitvolumen beanspruchen. Es wird nicht möglich sein, erst gegen 10:00 Uhr vom Frühstückstisch aufzustehen und 18:00 Uhr frisch geduscht im Hotel am Abendbrottisch zu sitzen. Die ausgewählten Kammtouren.eu sind nicht für Langschläfer, Kurzstreckenfans, Insta- Junkies und Microabenteuerer (alle jeweils m/w/d) geeignet. Nicht geeignet sind sie auch für Großgruppen. Es wird deshalb ein Teilnehmerlimit geben. Weitere Informationen können den jeweiligen Ausschreibungen entnommen werden.

Der altneue Kammweg -oder: Wie die Idee zu kammtouren.eu entstand!

Die Idee des Alten Kammweges entlang der Kammlinien von Elster- und Erzgebirge, Böhmischer Schweiz, Lausitzer-, Jeschken-, Iser- und Riesengebirge bis zum Altvatergebirge ist eine echte Erfolgsgeschichte. Sie begann im Jahr 1902 mit vier deutschen Gebirgsvereinen im nördlichen Böhmen – daher auch der vierzinkige Kamm als Symbol und Wegezeichen – und der Einrichtung der ersten ca. 60 km eines neuen Fernwanderweges. Nach und nach wurde der Weg in der Folgezeit erweitert, bis er schließlich mit ca. 820 km seine längste Ausdehnung erreichte und zu seiner Zeit zum längsten Fernwanderweg im deutschsprachigen Raum avancierte. Nach 1945 geriet er in Folge der Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus der Tschechoslowakei in Vergessenheit und verfiel vielerorts. Wegezeichen und alles, was an die deutsche Vergangenheit im verschwundenen Sudetenland erinnerte, wurde entfernt, zerstört, vergessen. Fast alles. Die einstigen Wege jedoch waren physisch weiterhin vorhanden. Teilweise wurden sie umgewidmet zu asphaltierten Forststraßen, Radrouten oder Wanderwegen nach der neuen tschechoslowakischen Markierungssystematik. Einzelne alte Wegemarkierungen wurden aber offenbar übersehen oder in weiser Voraussicht bestehen gelassen. Mancherorts wurden sie bei Wanderungen sichtbar und machten neugierig. Nach und nach tauchten unter der Hand auch wieder alte Wanderkarten und -führer auf und ermöglichten das Nachvollziehen alter Routen. Bis eines schönen Tages die Geheimniskrämerei nicht mehr nötig war.

Es sollte jedoch noch fast 30 Jahre dauern, bis auch auf tschechischen Wanderwegweisern der blaue, vierzinkige Kamm seine Renaissance erleben durfte. Inzwischen gab es auf sächsischer Seite des Erzgebirges einen neuen, touristischen Kammwanderweg, der freilich nicht entlang der Kammlinie verläuft. Wer es etwas ausführlicher mag, bitte hier entlang: https://de.wikipedia.org/wiki/Kammweg_(1904).

Den alten Original- Kammweg gibt es nicht mehr, aber viele seiner früheren Abschnitte. Hinzu kamen Varianten, die der neuen Realität Rechnung tragen und inzwischen zu einer echten Bereicherung des Wegeangebotes wurden. Die altneuen Wege führen durch zauberhafte Landschaften, die natur-, kultur- und geschichtsinteressierte Wanderer (m/w/d) begeistern und fesseln. Sie sind vergleichsweise leicht zu erreichen; jedenfalls muss man nicht um die halbe Welt fliegen. Viele Start- und Zielorte erreicht man auch mit der Tschechischen Bahn, übrigens ein echtes Kontrasterlebnis zur gegenwärtigen Deutschen. Pünktlich, zuverlässig, preiswert.

Anfangs, zu DDR- Zeiten, war es „nur“ das etwas andere Urlaubserlebnis. Inzwischen sind die Kammregionen Tschechiens und Polens zu einer Art neuer Heimat in Europa geworden. Und seine Heimat bewahrt man nicht nur im Herzen, sondern lädt auch gern dahin ein. Zum Beispiel auf geführte Wander- und Trekkingtouren von und mit kammtouren.eu!

Seit Mitte der 1970-er Jahre bin ich immer wieder und mit wachsender Begeisterung in Tschechien und später auch in Polen unterwegs. Seit 2006 führe ich dort auch Wanderungen für Gruppen und kann inzwischen aus einem Tourenpool von mehr als 180 Routen auswählen – Tendenz kontinuierlich steigend. Alle Touren sind selbst geplant, begangen und qualitätsgeprüft. Es ist nun an der Zeit, sie einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.